Positive Gefühle

Was bleibt dir am Ende eines Tages im Kopf hängen? Dieser endlos lange Stau in der Stadt? Der Idiot, der dir die Vorfahrt genommen hat? Oder die Kassiererin, die dich total nett gegrüßt hat bzw. der leckere Kaffee im Coffeeshop um die Ecke? Ich vermute, ich kenne deine Antwort…

In unserem Alltag fällt es oft leicht, sich von dem Negativen beherrschen zu lassen und das Positive zu übersehen. Dabei sind genau diese positiven Gefühle Kraftquellen, die dein Wohlbefinden und deine Lebensfreude fördern.

Ich stelle dir gleich 10 positive Gefühle vor, die du unbedingt in deinen Alltag einbauen solltest, wenn du zufriedener sein willst. Ich zeige dir, wieso ausgerechnet diese 10 und gebe dir hilfreiche Tipps, wie du sie in dein Leben holst.

Es liegt in deiner Natur, den Fokus auf das Negative zu lenken

Warum erinnerst du dich zuerst an all die schlechten Dinge, die dir im Laufe des Tages passiert sind? Wieso haben dich negative Ereignisse so sehr im Griff?

Dafür gibt es eine ganz einfache Erklärung. Zu Steinzeiten war das Leben viel riskanter als jetzt. Der Mensch war ständig auf der Hut, um nicht zur Mahlzeit des nächsten Raubtieres zu mutieren. Schon ein Rascheln im Gebüsch konnte das eigene Aus bedeuten. Beim kleinsten Signal von Gefahr sprangen die inneren Alarmglocken an. Dabei konnte es schon mal sein, dass unsere Vorfahren die hübschen Blümchen am Wegesrand übersahen.

Heute kann man natürlich nicht bei jedem negativen Ereignis von einer Gefahr für dein Leben sprechen. Wenn dir jemand im Auto den Vogel zeigt, bedeutet das vielleicht, dass er aussteigen wird und dich zur Rede stellt.  Aber noch lange nicht, dass er dich umbringen wird. Aus Urzeiten ist dein Gehirn (dein limbisches System, um es ganz genau zu sagen) aber immer noch so programmiert, dass es negative Abweichungen vom „Gewohnten“ automatisch überbewertet. Es erinnert sich quasi an die alten Zeiten und möchte dir weismachen, dass diese Information gerade extrem wichtig für dein Überleben ist. Deswegen brennen sich vor allem negative Ereignisse in dein Gedächtnis.

Trotzdem ist für dich total wichtig, dass du positive Emotionen spürst. Jedes Kind weiß, dass positive Emotionen gut tun.

Aber warum genau?

Der Undoing-Effekt: Wie dir positive Emotionen dabei helfen, negative Gefühle zu überwinden

Barbara Fredrickson, eine der Hauptvertreterinnen der Positiven Psychologie, führte ein Experiment durch, das deutlich zeigt, welche Kraft in positiven Emotionen steckt.

Den Teilnehmern ihrer Studie führte sie zuerst einen Film vor, in dem ein Mann drohte, von einem Hochhaus zu fallen. Dieser Film rief bei den meisten Studienteilnehmern Angst hervor. Danach zeigten die Forscher ihnen einen weiteren Film. Es gab drei Filme zur Auswahl, die entweder positive, neutrale oder negative Gefühle hervorriefen sollten. Der positive Film  zeigte einen süßen Hundewelpen. Der neutrale Film spielte immer wieder die gleiche Sequenz ab, in der sich bunte Stäbe aufstapelten. Im negativen Film wurde ein kleiner Junge gezeigt, der vor dem Krankenbett seines Vaters steht und weint. Während der gesamten Studie wurde die Herzfrequenz der Probanden aufgezeichnet.

Was kam dabei heraus?

Die Teilnehmer, die den Welpenfilm sahen, erholten sich sehr schnell von ihrer Angst, die durch den ersten Film erzeugt wurde. Ihre Herzfrequenz sank nach kurzer Zeit wieder auf ein normales Niveau. Anders sah es bei den Studienteilnehmern aus, die nach dem ersten Film den kleinen, weinenden Jungen angesehen hatten: Sie erholten sich wesentlich langsamer vom ersten Film. Ihre Herzfrequenz blieb viel länger erhöht. Daraus schloss Barbara Fredrickson, dass positive Gefühle negative Gefühle auflösen können (deswegen auch „Undoing“-Effekt). Sie helfen dabei, den Fokus von negativen Gefühlen wegzulenken.

Was bedeutet das für dich?

Positive Emotionen sind Kraftspender

Für deinen Umgang mit schwierigen Situationen sind positive Gefühle ganz entscheidend! Sie helfen dir, in Stressmomenten stabil zu bleiben, weil sie dir Kraft und Energie geben und deine innere Anspannung lösen. Aber nicht nur deswegen ist es wichtig, dass du ihnen genug Raum in deinem Alltag gibst. Sie machen dich auch kreativer und offener für Neues. Wenn du gut drauf bist, fällt es dir leichter, an schwierige Aufgaben heranzugehen oder Motivation zum Weitermachen zu finden. Positive Emotionen steigern deine Produktivität, in dem sie innere Blockaden, die dich sonst auf der Stelle treten lassen, lösen.

Die 10 wichtigsten positiven Gefühle für mehr Lebensfreude und Wohlbefinden

Lass uns einsteigen in die 10 wichtigsten positiven Emotionen! Für mich gilt: Je differenzierter du positive Gefühle kennst und benennen kannst, umso einfacher ist es für dich, gezielt nach ihnen Ausschau zu halten oder Situationen zu schaffen, in denen du bestimmte Gefühle erleben kannst.

1. Freude

Freude ist deine emotionale Reaktion auf einen schönen Moment, eine tolle Person oder eine positive Erinnerung. Wenn du dich von Herzen freust, geht es dir rundum gut und dein Körper wird von Glücksgefühlen überströmt. In manchen Momenten, wenn du einfach zufrieden bist und still in dich hinein lächelst, zeigt sie sich leise und unscheinbar. Oft offenbart sie sich aber in Luftsprüngen oder Hurra-Rufen. Zum Beispiel, wenn du endlich die Zusage für den Traumjob erhältst , für den du dich beworben hast und auf die du eine gefühlte Ewigkeit warten musstest.

Freudige Momente steigern dein Wohlbefinden nicht nur für den Augenblick, sondern bilden ein inneres Monument an Erinnerungen, auf die du in kritischen Situationen zurückgreifen kannst. Deswegen ist es hilfreich, dir das Gefühl der Freude zu konservieren und immer wieder in Erinnerung zu rufen.

Dabei hilft dir ein Positiver Tagesrückblick. Schreibe jeden Tag am Abend drei gute, schöne Dinge auf, die du erlebt hast und die dir Freude bereitet haben. Mach dir bewusst, welchen Teil du zu diesen Ereignissen beigetragen hast. Ich habe in einem Artikel beschrieben, wie genau der Positive Tagesrückblick funktioniert. Du findest ihn hier.

2. Dankbarkeit

Bist du dankbar, schätzt du all die guten Dinge in deinem Leben erkennst ihren Wert an. Du kannst zum Beispiel dankbar dafür sein, ein Dach über dem Kopf zu haben. Oder für einen guten Freund, der immer ein offenes Ohr für dich hat. Machst du dir den Wert vermeintlich selbstverständlicher Dinge bewusst, verändert sich dein Blick auf deine Umgebung und deine Gefühlslage.

Dankbarkeit stärkt die Verbundenheit mit deinen Mitmenschen, da sie die gegenseitige Achtung und Wertschätzung fördert. Außerdem lernst du durch eine dankbare Grundeinstellung die kleinen Dinge des Lebens zu schätzen. Bist du dankbar und machst dir damit automatisch bewusst, wie gut es dir an vielen Stellen geht, wirst du dich seltener über Kleinigkeiten beklagen und so das Vorkommen negativer Gefühle verkleinern. Du intensivierst deine Beziehungen, weil du etwas zurückgeben und dich erkenntlich zeigen willst.

Eine Methode, die ich dir für mehr Dankbarkeit im Alltag vorstellen möchte, ist die 5-Finger-Übung. Die Methode funktioniert so: Du zählst deine Finger durch und rufst dir bei jedem Finger bestimmte Dinge in deinem Leben ins Gedächtnis, die dich ermutigen und dir Kraft geben. Beim kleinen Finger denkst du an eine Sache, für die du zutiefst dankbar bist. Der Ringfinger soll dich an Menschen erinnern, die du liebst. Denke beim Mittelfinger an eine Sache, die du für einen anderen Menschen getan hast und überlege, bei wem du das wiederholen kannst. Deute mit dem Zeigefinger auf etwas Inspirierendes in deinem Umfeld. Mache dir zuletzt beim Daumen eine Stärke oder eins deiner Talente bewusst, für das du dankbar bist.

Wie genau Dankbarkeit wirkt, ein Arbeitsblatt mit dieser Übung und die Anleitung für einen Dankbarkeitsbrief findest du in meinem Artikel „Dankbarkeit: Dein ultimativer Schlüssel zum Glück“.

3. Heiterkeit (Gelassenheit)

Heiterkeit oder Gelassenheit ermöglicht dir, dich geborgen, sicher und wohl zu fühlen. Dich kann in solchen Momenten nichts und niemand aus der Bahn werfen, sondern bist ganz bei dir und in diesem Moment. Deswegen geht Heiterkeit auch mit innerer Ruhe und Zufriedenheit einher.

Dir Momente sorgloser Heiterkeit zu schaffen, ist gerade in unserem hektischen Zeitalter von zentraler Bedeutung. Denn oft bist du gedanklich in der Zukunft, hast schon innere Panik vor der nächsten Aufgabe, obwohl du die jetzige noch gar nicht abgeschlossen hast. Gelingt es dir, gelassen zu sein, kannst du deine Gedanken leichter sortieren und deine Gefühle besser reflektieren. Heiterkeit ist einer der Schlüssel zum Leben im Hier und Jetzt und dafür, dein Leben, so wie es in diesem Moment ist, zu genießen.

Kennst du schon die „Mal eine Minute“-Übung? Dabei nimmst du dir bewusst dreimal am Tag eine Minute Zeit und tust nichts anderes als zu atmen. Ohne Bewertung, ohne etwas Spezielles zu tun. Du registrierst nur, dass du gerade ein- und ausatmest. Du kannst die Übung im Büro, auf dem Heimweg oder abends im Bett durchführen. Atmen für eine Minute geht überall und fällt kaum auf. Die Übung hilft dir, deine Achtsamkeit zu schulen und das „im Moment leben“ zu üben. Warum es so hilfreich ist, regelmäßig durch Meditationen Auszeiten von der Hektik des Alltags zu nehmen, kannst du hier nachlesen.

4. Interesse (Neugier)

Wenn du an etwas interessiert bist, bedeutet das, dass du einer Sache Aufmerksamkeit schenkst, die dich fasziniert und begeistert. Es spielt keine Rolle, worauf sich dein Interesse bezieht. Du kannst neugierig auf ein bestimmtes Fachgebiet sein, in dem du gern dazulernen und dich weiterbilden möchtest. Oder aber Interesse an deinen Mitmenschen haben.

Verfolgst du deine Interessen bildest du dich nicht nur weiter (was dein Gefühl des Stolzes befeuert), sondern erlebst wahrscheinlich auch Flow-Momente, die dein Wohlbefinden so richtig boosten. Ein Flow-Moment ist dieser Augenblick, in dem du völlig aufgehst und die Zeit um dich herum vergisst.

Blocke dir ab jetzt ein bis zwei Stunden in der Woche in deinem Kalender, in denen du deinen Interessen ungestört nachgehen kannst. Es ist wichtig, dass du dir diese Zeit nimmst. Frage dich, ob es Interessengemeinschaften wie AGs oder Vereine gibt, wo du deine Interessen vertiefen kannst. Denn zusammen mit anderen macht es gleich viel mehr Spaß! Und wenn du bisher noch nichts gefunden hast, was dich so richtig interessierst, dann begib dich auf die Suche. Blättere beispielsweise den örtlichen Volkshochschulkatalog durch und schau mal, ob sich bei irgendeinem Thema ein wohliges Neugiergefühl einstellt.

5. Hoffnung

Hoffst du, hast du eine optimistische innere Einstellung in Bezug auf Probleme und Hindernisse in der Zukunft. Du bist dann zuversichtlich, vertraust auf das Gute und deine Fähigkeiten, mit denen du zukünftige Hürden überwinden kannst.

Du wirst Situationen kennen, in denen du Hoffnung gespürt hast. Zum Beispiel vor einer wichtigen Prüfung, von der du dir ein gutes Ergebnis erhofft hast. Hoffnung kann sich auch auf zukünftige Ereignisse beziehen, die du selbst nicht beeinflussen kannst. Beispielsweise auf das Wetter oder den Ausgang eines Fußballspiels.

Es spricht einiges dafür, dass du Hoffnung stärker in deinen Alltag einbinden solltest. Hoffst du auf etwas, wirst du automatisch mehr dafür tun, dass diese Sache eintritt. Wenn du aber schon aufgibst, bevor etwas überhaupt stattgefunden hat, ist die Wahrscheinlichkeit, dass du dich dafür einsetzt, geringer. Und damit auch die Wahrscheinlichkeit, dass etwas nach deinen Wünschen verläuft.

Wenn du das nächste Mal das Gefühl hast, dass etwas schiefgehen wird oder du etwas nicht schaffst, schreibe dir eine Reihe großer Probleme aus deiner Vergangenheit auf, die dich heute nicht mehr beschäftigen. Vielleicht hattest du damals das Gefühl, dass sie unüberwindbar sind, aber du hast es irgendwie trotzdem geschafft? Nimm dir diesen Zettel in kritischen Situationen zur Hand und erinnere dich daran, dass du dir erlauben darfst, zu hoffen.

Du kannst ein weitreichenderes Hoffnungs- und Zuversichtstraining vertragen? Dann könnte dieser Artikel für dich interessant sein.

6. Stolz

Du bist stolz, wenn du ein Ziel erreicht hast und den wohlverdienten Erfolg auch wirklich annehmen kannst. Als Ergebnis deiner Bemühungen und deiner Fähigkeiten – eben deiner persönlichen Leistung. Du bist dir deines eigenen Wertes bewusst und zufrieden mit dir und deinen Leistungen und Eigenschaften.

Momente, in denen du stolz auf dich bist, führen dazu, dass sich dein Selbstbewusstsein und dein Selbstwert steigern. Wenn du Stolz fühlst, nimmst du deine Stärken bewusst wahr und wertschätzt sie. Das fördert deinen Mut, zukünftige Herausforderungen anzunehmen und diese aus eigener Kraft zu meistern.

Stolz zu sein, kannst du genauso wie dein Selbstvertrauen trainieren. Schreibe 10 Dinge auf, auf die du stolz bist. Das können deine Eigenschaften, deine Stärken, Ereignisse oder deine Leistungen sein. Schreibe unbedingt dazu, warum du auf diese Dinge stolz sein kannst. Halte diese Liste griffbereit bei dir (zum Beispiel in deinem Geldbeutel) und nimm sie dir immer dann zur Hand, wenn du beginnst, an dir selbst zu zweifeln.

Du kannst auch selbstbewusste Körperhaltungen einnehmen, um deinen Stolz und dein Selbstvertrauen zu trainiere. Die sogenannten „power poses“ führen dazu, dass dein Testosteron (Dominanzhormon) ansteigt und deine Stresshormone sinken. Eine davon ist der „Chef Sessel“. Setz dich auf einen Stuhl, lehne dich chefmäßig zurück und verschränke dir Hände hinter dem Kopf. Stell ein Bein am Boden ab und lege das andere mit dem Knöchel zum Knie ab. Die Wirkung ist am stärksten, wenn du diese Haltung regelmäßig für 2 Minuten einnimmst.

7. Vergnügen

Vergnügen ist sicherlich eine der auffälligsten positiven Emotionen. Bist du vergnügt, hast du Spaß, lachst, bist gelöst. Du kannst Vergnügen als eine Facette von Freude ansehen. Der Unterschied ist, dass Vergnügen eine ganz starke soziale Komponente hat. Beispielsweise, weil du gemeinsam mit deinen Freunden lachst oder über einen Witz kicherst, ihr euch über denselben Film amüsiert oder ihr Insiderjokes teilt.

Vergnügen kann dir in vielen Situationen weiterhelfen. Wusstest du zum Beispiel, dass Lachen in der Therapie von Angststörungen eingesetzt wird und sofort hilft, Ärgergefühle zu verringern? Bist du vergnügt, findest du leichtere und kreativere Wege, um Probleme zu lösen. Denn in diesem Zustand bist du offener und empfänglicher für Neues.

Hast du nicht einen Freund, mit dem du besonders gut zusammen Spaß haben und herumalbern kannst? Es ist wichtig, dich regelmäßig mit Menschen zu umgeben, mit denen du dich besonders gut vergnügen und deine Sorgen vergessen kannst. Deswegen solltest du dir regelmäßig Zeit blocken, um dich mit diesem Menschen zu treffen und dir mit ihm zusammen Vergnügungskicks verschaffen.

8. Inspiration

Bist du inspirierst, sprudelst du nur so vor neuen Ideen und Anregungen. Etwas, das dich inspiriert, erhellt deine Gedanken und bringt dir immer wieder neue Erkenntnisse, die dich auch persönlich weiterbringen. Du kannst dich von den verschiedensten Dingen inspirieren lassen: Von einem bestimmten Menschen, einer besonderen Tätigkeit oder von der Schönheit der Natur.

Inspiration steigert deine Motivation und dein Antriebsgefühl. Sie liefert dir immer wieder neuen Input und Ideen, Neues auszuprobieren. Das verhindert, dass du auf der Stelle trittst und selbst aktiv wirst. Du trittst häufiger aus deiner Komfortzone heraus und kannst im Leben weiterkommen. Denn die positive und aktivierende Energie deiner Inspirationsquelle färbt auf dein Denken und Handeln ab.

Um dir selbst die Möglichkeit zu geben, dich weiterzuentwickeln, solltest du dich regelmäßig an deine persönliche Inspirationsquelle wenden. Vielleicht hast du sie sogar schon gefunden? Das kann zum Beispiel ein Mensch sein, den du bewunderst: Tausche dich regelmäßig mit ihm aus. Oder ein einmaliger Platz in der Natur: Statte ihm regelmäßig einen Besuch ab.

9. Ehrfurcht

Du bist voller Ehrfurcht und Erstaunen, wenn du etwas Unerwartetes, das besonders schön oder einzigartig ist, erlebst. Ehrfurcht geht oft einher mit diesem Gefühl, von etwas überwältigt zu sein und tiefe Achtung zu empfinden. Du kannst beispielsweise ehrfürchtig dein neugeborenes Kind im Arm halten. Ich persönliche erfahre Ehrfurcht auf meinen Reisen in der Natur, wenn ich angesichts der Naturspektakel sprachlos werde. In Momenten voller Ehrfurcht wirst du oft ganz still und bist einfach überwältigt. Diese Mischung aus Staunen, aus Respekt, Bewunderung und manchmal auch Beklommenheit. Das ist es, was Ehrfurcht ausmacht.

Ehrfurcht ist so wichtig, weil du in diesen Momenten das, was deine Umwelt zu bieten hat, als etwas Großes und Wertvolles erkennst. In solchen Situationen merkst du, welche Schönheit das Leben für dich bereithält und nimmst dich oft als Teil von etwas Ganzem wahr. Spürst du Ehrfurcht, wirst du automatisch bescheidener und denkst nicht mehr nur an dich. Es klingt etwas pathetisch, aber Ehrfurcht macht dich zu einem besseren Menschen.

Die Ehrfurcht kommt automatisch in Momenten, in denen etwas Großes um dich herum geschieht. Du kannst aber auch in deinen Alltag mehr von diesem Gefühl einziehen lassen. Versuche jeden Tag nach scheinbar selbstverständlichen Dingen zu suchen, über die du staunen kannst. Suche bewusst nach kleinen Dingen, die du sonst übersiehst. So wie die Blätter, die sich färben. Oder der Vogel, der durch die Luft fliegt. Ist doch eigentlich außergewöhnlich, dass es Lebewesen gibt, die einfach so durch die Luft fliegen können, oder? Dein alltägliches Umfeld hält abertausende kleine Wunder für dich bereit. Du musst nur genau hinsehen.

10. Liebe

Liebe ist das tiefste Gefühl der Verbundenheit. Wenn du verliebt bist, möchtest du deinem Lieblingsmenschen so viel geben, wie nur möglich. Zuneigung, Geborgenheit, Sicherheit – das alles sind Dinge, mit denen du diesen Menschen „versorgen“ willst. Liebe steigert sich, wenn du mit einem Menschen all die Gefühle, die du jetzt schon kennengelernt hast, gemeinsam erlebst. Natürlich kannst du eine tiefe Liebe nicht nur mit einem Partner erleben, sondern auch mit deinen Kindern, deinen Eltern oder einem Freund. Sogar mit deinem Haustier.

Lieben und Geliebt werden, das ist eines der schönsten und wichtigsten Dinge überhaupt. Gibt es in deinem Leben ausreichend Liebe, wirkt sich das direkt auf deine Gesundheit und dein Immunsystem aus. Zahlreiche Studien beweisen, dass einsame Menschen anfälliger für Krankheiten sind. Zum Beispiel zeigten ältere Menschen, deren Partner bereits gestorben war, eine stark verminderte Abwehrfunktion. Dagegen blieb die Abwehrfunktion von Menschen, deren Partner noch am Leben war, unverändert. Geliebt zu werden und zu lieben macht dich stark und gibt dir Kraft.

Damit du mit mehr Liebe durchs Leben gehen kannst: Nimm dir jeden Tag eine kleine Sache vor, mit denen du einem deiner Liebsten etwas Gutes tun willst. Das muss nicht immer ein Blumenstrauß oder ein Geschenk sein. Es reicht schon, wenn du deinem Partner nach einem langen Arbeitstag einen Tee kochst. Du wirst bald merken, dass sich dadurch eine Spirale bildet, in der auch „mehr“ von deinem Partner zurückkommt. Kleine Gesten sind stille Liebesbeweise und verstärken die Intimität. Beachte bei der Auswahl deiner Gesten, dass Menschen ganz unterschiedliche Liebessprachen sprechen. Lies dazu meinen Artikel „5 Sprachen der Liebe“.

Gestalte deinen Alltag zum Positiven

Ich hoffe, dass du jetzt einen wunderbaren Überblick über die verschiedenen positiven Gefühle hast. Vielleicht sind sogar ein paar Emotionen dazugekommen, die du vorher noch gar nicht richtig auf dem Schirm hattest? Eventuell musstest du nur noch einmal an sie erinnert werden.

Was mir wichtig ist: Es geht nicht darum, jeden Tag alle zehn Emotionen abzuarbeiten und sich Emotions-To-Do-Listen zu erstellen. Versuche, ein Bewusstsein für sie zu entwickeln und dir hier und da aktiv kleine Situationen zu schaffen, in denen du sie spüren kannst. Es geht darum, deinen Alltag grundlegend so zu gestalten, dass er auf positive Gefühle einladend wirkt und sie quasi wie von selbst zu dir kommen. Dazu ist aber ein letzter, wichtiger Schritt notwendig. Die Entwicklung eines positiven Fokus.

Der Tetris-Effekt: Wie du unbewusst deine Erwartungen bestätigst

Lass mich dir abschließend eine Studie vorstellen. Die Teilnehmer eines Experiments spielten mehrere Tage Tetris. Kennst du sicher auch noch, oder? Nach der Studie sahen sie überall in ihrer Umwelt mögliche Formen, die zueinander passten und sie stellten sich vor, wie man aus ihnen eine Mauer bauen könnte. Beispielsweise könnte man Zaunpfähle wunderbar längs nebeneinander auf eine Hecke legen. Klingt verrückt, oder?

Eigentlich spiegelt diese Studie aber nur einen ganz natürlichen Automatismus deines Gehirns wieder. Durch das, was dir tagtäglich durch den Kopf geht, entwickelst du bestimmte Erwartungshaltungen und Gedankenmuster. Dadurch baut sich dein Gehirn einen Fokus in deiner Wahrnehmung. Und zwar ohne, dass du es merkst. Wenn du zum Beispiel gerade an einem Projekt sitzt, in dem es um rote Autos geht, wirst du auf der Straße eher ein rotes als ein grünes Auto wahrnehmen. Der gleiche Effekt fand statt in der Tetrisstudie. Und er gilt auch für deine Gefühle und dein emotionales Erleben.

Entwickle einen positiven Fokus

Wenn du deinen Fokus ständig auf die Dinge lenkst, die dir negativ auffallen, nimmst du in deinem Alltag mit einer großen Wahrscheinlichkeit eher negative als positive Dinge wahr. Wenn du deine Erwartung aber beeinflusst, indem du bewusst nach positiven Eindrücken und Ereignissen suchst, lenkst du deine Aufmerksamkeit von den negativen Dingen weg.

Dein Fokus verrückt sich in eine positive Richtung, sodass es dir leichter fällt, kleine positive Dinge wahrzunehmen. Der Stau in der Stadt wird dich nicht stören, wenn du gerade die untergehende Sonne bewunderst. Und der Mann, der dir im Auto den Vogel gezeigt hat, bleibt dir nicht länger in Erinnerung, wenn du dich über die schöne Musik im Radio freust, anstatt dich über ihn totzuärgern.

Dabei geht es nicht darum, nach großen überwältigenden Momenten Ausschau zu halten. Denn die sind selten. Und es geht nicht darum, manchmal großartige Emotionen zu fühlen, sondern möglichst regelmäßig und häufig kleine positive Gefühle zu erleben. Achte deshalb auf kleine positive Momente (eben wie die Musik im Radio), die viel häufiger vorkommen und deinen Fokus auf Dauer verändern. Du wirst schon bald mehr Lebensfreude und Wohlbefinden spüren, wenn du den kleinen positiven Dingen deines Alltags mehr Aufmerksamkeit schenkst.

 

Mich interessiert: Welche der 10 positiven Emotion spürst du bereits regelmäßig in deinem Alltag oder lädst sie ein? Auf welche Gefühle achtest du bisher noch gar nicht so stark? Hattest du einen Aha-Moment beim Lesen oder ist ein Vorsatz daraus entstanden?

Ich freue mich, mich darüber mit dir in den Kommentaren (einfach runterscrollen) auszutauschen. Denn das ist ein Thema, das mir wirklich sehr am Herzen liegt!

Du willst mehr?

Kennst du schon mein Workbook „Glücklichsein ist keine Glückssache“? Darin liefere ich dir eine Schritt für Schritt-Anleitung für ein glücklicheres und erfüllteres Leben. In einem Kapitel geht es auch um positive Gefühle und du findest eine Vielzahl an Übungen, mit denen du mehr positive Emotionen in deinen Alltag holst. Und auch eine, um dich mit deiner Vergangenheit zu versöhnen. Außerdem gibt es noch vier weitere Glücksbausteine, von denen du profitieren kannst. Hier kriegst du mehr Informationen über mein Workbook (in das ich echt viel Arbeit gesteckt habe und auf das ich total stolz bin!).

Als Lesetipp zum Thema Positive Gefühle lege ich dir das Buch „Die Macht der guten Gefühle. Wie eine positive Haltung Ihr Leben dauerhaft verändert“ von Barbara Fredrickson ans Herz. In dem Buch schreibt sie ausführlich über die positiven Effekte guter Gefühle, aber liefert auch Hinweise, wie du es schaffst, das Verhältnis aus positiven zu negativen Emotionen in deinem Leben zu beeinflussen.

 

PS: Sharing is caring: Wenn dir der Artikel gefallen und geholfen hat, teile ihn jetzt mit deinen Liebsten und mit allen Menschen, denen das Wissen auch weiterhelfen kann. Dankeschön