„Das ist doch verrückt!“

Der Gedanke ging mir durch Kopf als ich neulich im Auto von einem Kundenworkshop heimfuhr.

Wieso, fragst du dich?

Ich habe realisiert, dass wir Menschen ein extrem gutes Gefühl für unser Auto haben, aber oft nicht für uns!

Das kam so: Mein Tanklämpchen ging 80 km vor Karlsruhe an. Ich fahre an die Tankstelle, denn ich weiß, dem guten Stadtmobilwagen fehlt Benzin.

Das erinnerte mich daran, wie ich vor knapp 3 Jahren bei einem Kunden in Regensburg auf dem Hotelparkplatz stand als ebenfalls ein Lämpchen aufleuchtete. Der Blick ins Benutzerhandbuch brachte mir die Erkenntnis, dass die Motorelektronik meines heißgeliebten Kasimirs kaputt war. Was dazu führte, dass ich kurz darauf traurig zuschaute, wie mein Auto wegen Motorschaden abgeschleppt werden musste.

Genau das bringt mich zu meinem Eingangsgedanken:

  • Beim Auto achten wir ganz selbstverständlich auf Warnlämpchen, die uns sagen, was dem Auto gerade fehlt und reagieren entsprechend.
  • Wir würden nie auf die Idee kommen, ein Lämpchen zu übersehen.
  • Wir würden nie auf die Idee kommen, mit aufleuchtender Motorelektronik weiterzufahren.

Wieso in Gottes Namen ignorieren dann so viele Menschen ihre eigenen Warnlämpchen?!

Du vielleicht auch?

Weil du glaubst, ist doch alles nicht so schlimm. Oder geht schon wieder vorbei.

Lass mich dir sagen: Keine so clevere Einstellung.

Drei unumstößliche Fakten zum Thema Stress und Stressbewältigung (die auch dann wahr sind, wenn du sie ignorierst)

1. Stress ist ein reales Problem

Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist Stress das größte Problem des 21. Jahrhunderts. Stress hat das Risiko, an einem Herzinfarkt zu erkranken, als größtes und gefährlichstes Gesundheitsrisiko abgelöst.

2. Es bringt dir absolut nichts, deine eigenen Warnlämpchen zu ignorieren!

Die meisten Leute ignorieren ihre eigenen Stress-Warnsignale oder können sie nicht richtig deuten.

  1. Ich hatte mal einen Coachee mit Tinnitus. Er war der Meinung, „nur ein bisschen gestresst“ zu sein, während bei mir alle Alarmglocken angingen. Tinnitus ist nämlich ein sehr klares Warnzeichen für langanhaltenden, chronischen Stress.
  2. In einem Workshop berichtete einer der Teilnehmer von Schlafproblemen. Das sei eben so: „jeder schläft doch mal schlecht“. Ja, mit Betonung auf MAL! Der Herr allerdings litt an einer chronischen Schlafstörung, wie sich später herausstellte. Das ist keine zu ignorierende Kleinigkeit, sondern eher das Ende der Fahnenstange.

Die eigenen Warnlämpchen zu ignorieren, bringt nichts.

Wenn du die ersten leichten Anzeichen nicht richtig deutest, werden dein Körper und deine Seele immer mehr ins Minus schlittern und schwereres Geschütz auffahren. Dass du irgendwann nicht mehr ignorieren kannst, weil es dich in deiner Lebensqualität massiv einschränkt.

Statt die Augen zu verschließen, schau lieber bewusst, wie du deinen Stress erkennen und richtig einordnen kannst. In diesem Artikel habe ich dir die wichtigsten Warnsignale zusammengestellt.

3. Es ist für´n Arsch, sich über Stress aufzuregen!

Genauso wie dein Tank im Auto nicht voll wird, wenn du dich aufregst, dass die Tankanzeige aufleuchtet, wird es dir nichts bringen, dich über stressige Momente des Tages oder den Stress im Allgemeinen aufzuregen.

Was passiert, wenn du dich ständig darüber beklagst, wie stressig dein Tag war?

Nichts!

Deine Klage hat keine andere Auswirkung als die, dass deine Laune weiter sinkt und du noch genervter bist.

Merke:

  • Empörung ist folgenlos!
  • Wenn du dich empörst, hast du trotzdem noch gar nichts gelöst und es hat sich auch nichts verändert.
  • Willst du deinen Stress in den Griff kriegen, hilft nicht die Klage, sondern das genaue Hinschauen.

Übernimm endlich Ver-ANTWORT-ung!

Ja, es ist schade, dass wir in einer Welt leben, in der „höher – schneller – weiter“ gilt. Das macht es herausfordernder, gut für sich zu sorgen bzw. in der Balance und gelassen zu bleiben.

Zugleich bleibt es deine Verantwortung, mit den Anforderungen deines Lebens konstruktiv umzugehen.

Für das Thema Stress heißt das beispielsweise: Eine Antwort darauf zu finden, …

  • was genau dich stresst,
  • wie du erkennst, ob Warnlämpchen leuchten oder nicht
  • was du tun kannst, um dein Stresserleben zu reduzieren

Stress erkennen – So geht`s

Eine gute Methode, um dich selbst besser zu verorten, ist die sogenannte Stressampel von Gert Kaluza, einem Psychologen an der Universität Marburg.

Lass uns anhand seines Systems schauen, wie es wirklich um dein Stresslevel steht und an welchen Stellschrauben du drehen solltest, damit du ganz gelassen und entspannt durch deinen Alltag navigierst.

Schnapp‘ dir am besten direkt einen Zettel und einen Stift und beantworte die Fragen während des Lesens. Denn wenn du wirklich Antworten finden willst, genügt es nicht, diesen Artikel nur zu lesen. Du musst ins Tun kommen.

Bereit?

Hier kommen die 3 psychologischen Fragen, mit denen du deinen Stress besser erkennen und bewältigen kannst!

Psychologische Frage Nr. 1: Wann gerätst du in Stress?

  • Empfindest du z.B. Stress, wenn 20 Aufgaben gleichzeitig zu erledigen sind?
  • Oder wenn du von deinen Kollegen unterbrochen wirst?
  • Ist es die immer näher rückende Deadline für die Abgabe?
  • Vielleicht ist es auch Stress für dich, wenn dich jemand kritisiert?
  • Wenn es Konflikte gibt und du nicht weißt, wie du damit umgehen sollst?

Überlege einmal, wie es bei dir ist: Was löst bei dir Stress aus?

Notiere, was dir spontan einfällt.

Beobachte dich die kommenden Tage weiter und ergänze deine Liste.

Psychologische Frage Nr. 2: Was geht in dir vor, dass deinen Stress noch vergrößert?

  • Das könnte z.B. deine Ungeduld sein. Du kannst einfach nicht abwarten, bis deine Kinder nach 15 min endlich ihren Rucksack fertig gepackt haben.
  • Oder kannst du nicht Nein sagen, wenn dich jemand bittet, xy zu tun? Weil du es allen Recht machen willst und von allen gemocht werden willst?
  • Du willst alles perfekt machen und feilst dafür mitunter eine gefühlte Ewigkeit an den Details herum? (Das wiederum vergrößert deinen Stress, weil du bei anderen Aufgaben unter Zeitdruck gerätst.)
  • Oder du willst keineswegs schwach wirken, weswegen du dir nicht erlaubst, um Hilfe zu fragen oder zu bitten.
  • Vielleicht regst du dich darüber auf, wieso dein Chef/deine Freundin/… nicht endlich einsehen, dass … (setze hier etwas ein, das dir unmöglich erscheint).

Reflektiere, was typisch für dich ist: Wie schaffst du es, dir selbst Stress zu machen?

Bzw. wie kriegst du es hin, den ohnehin vorhandenen Stress von außen noch größer zu machen?

Schreibe dir auf, was dich in Stresssituationen antreibt und so deinen Stress erhöht.

Beobachte dich auch hier die kommenden Tage. Vielleicht wandert noch etwas auf die Liste, das du gar nicht im Blick hattest.

Was mir wichtig ist: Es geht nicht darum, dich dafür fertig zu machen! Geh eher mit der Haltung eines neugierigen Forschers heran, der ein bestimmtes Phänomen jetzt aber mal ganz genau untersuchen will!

Psychologische Frage Nr. 3: Wie reagieren dein Körper und dein Geist auf Stress?

Erinnere dich an eine bestimmte Stresssituation aus den letzten Monaten und geh in Gedanken Stück für Stück durch deinen Körper.

Wie zeigt dir dein Körper in Stresssituationen, dass er gerade gestresst ist?

  • Sind deine Schultern oder dein Nacken verspannt?
  • Beißt du öfter angestrengt die Zähne zusammen?
  • Oder wird dir die Brust eng und das Atmen fällt dir schwer?
  • Hast du Kopfschmerzen und dreht sich dein Gedankenkarussell fortgehend, wenn du abends im Bett liegst und eigentlich schlafen möchtest?
  • Vielleicht hast du auch Magenschmerzen und dein Bauch verkrampft sich schon, wenn du an stressige Situationen denkst.

Schaue schließlich auf deine Gefühle: Wie zeigt sich Stress emotional?

  • Bist du gereizt und gehst bei der kleinsten Sache plötzlich an die Decke?
  • Ist deine Reaktion völlig unverhältnismäßig zu deinem normalen Verhalten?
  • Oder kannst du dich nicht mehr über Sachen freuen, die dich normalerweise begeistert haben, weil du im Kopf ganz wo anders bist?

Notiere, wie sich Stress bei dir im Körper und emotional äußert.

Schau eventuell noch genauer hin: Treten manche Symptome davon früher oder später auf?

Stell dir das wie eine orange oder rote Ampel vor: Was sind erste Anzeichen für Stress und wann merkst du, es geht gar nichts mehr?

Der erste Schritt ist geschafft. Und nun?

Wenn du wirklich ehrlich zu dir selbst warst und die Fragen beantwortet hast, klopf dir jetzt auf die Schulter!

Du hast den ersten Schritt auf dem Weg in ein entspannteres Leben getan. Damit hast du dir selbst die Grundlage erarbeitet, um nun zu schauen, was du machs und wo du ansetzt.

Deine Stellschrauben für den Weg aus dem Stress

Auf soulsweet setzen viele Artikel rund um deine Stressbewältigung an diesen drei Fragen an.

So machst du weiter:

1. Wenn du deine Stressoren kennst, kannst du sie gezielt entschärfen. Erst, wenn du weißt, wann du in Stress gerätst, kannst du schauen, was du für Wissen brauchst, um diese äußeren Faktoren zu reduzieren.

Für mehr Gelassenheit im Job, findest du beispielsweise hier 3 Geheimtipps. Hier siehst du, wie du deine Tagesplanung und deine To Do Liste optimierst. In diesem Artikel findest du eine Checkliste, um dein überfülltes E-Mail-Postfach zu bändigen.

2. Auch deine persönlichen Stressverstärker und dein Kopfkino im Stress bewusst wahrzunehmen ist enorm wichtig. Wenn da gerade wieder etwas aktiv ist und dich antreiben möchte, tätige die Bremse.

Musst du wirklich 100% geben und damit sämtliche Energien verbrauchen? Lies hier, wie du mit dem „Streng dich an-Antreiber“ in dir am besten umgehst. Oder sagst du schon wieder „Ja und Amen“, obwohl du eigentlich nicht möchtest? Dann schau hier rein und lerne, wie du es nicht länger recht machst.

3. Vor allem geht es darum, deine Stressreaktion – das Blinken der Warnlämpchen – rechtzeitig zu erkennen! Dann kannst du was machen, das dir hilft, von dem hohen Stresslevel runterzukommen und dich zu entspannen. Wie du lernst, dich mehr um dich selbst zu kümmern, erfährst du hier. Hier lernst du die 1-3-2-Regel kennen und findest weitere Tipps, um abzuschalten. 111 Aktivitäten mit Entspannungsgarantie warten hier auf dich.

Schreib mir in die Kommentare
  • Was sind die Situationen, in denen du am meisten in Stress gerätst?
  • Welcher Stressverstärker ist bei dir aktiv und treibt deinen Stress noch voran?
  • Welche persönlichen Warnlämpchen sind dir aufgefallen? Wie reagierst du körperlich und emotional auf Stress?

 

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