Entscheidungen prägen unseren gesamten Alltag. Tagtäglich müssen wir entscheiden, wann wir den Wecker stellen, was wir anziehen oder welchen Bus wir nehmen. Sehr oft treffen wir diese Entscheidungen „aus dem Bauch heraus“. Die machen keine Probleme. Aber dann gibt es da noch eine ganz andere Kategorie von Entscheidungen. Die Entscheidungen, die sich so schwierig anfühlen, dass wir am Ende gar nichts entscheiden – und doch unglücklich damit sind. Ganz schön oft sitzt du in solchen Momenten in einer Zwickmühle fest.

In diesem Artikel will ich dir zeigen, wann du erkennst, dass du in einer Zwickmühle steckst, wie du mit den unguten Gefühlen umgehst, die sie mit sich bringt und was dir hilft, solche schwierige Entscheidungen treffen zu können. Und zwar leichter und müheloser.

Die Qual der Wahl

Unser ganzes Leben ist geprägt von Entscheidungen. Ziehe ich jetzt die blauen oder die schwarzen Socken an? Nehme ich heute den Bus oder lieber mal das Fahrrad? Soll ich bei meinem Partner bleiben oder mich trennen? Ist der Job das richtige für mich oder nicht?

Die meisten Entscheidungen, die wir in unserem Alltag treffen, können wir sehr leicht treffen und sie beschäftigen uns nicht lange.

Wenn du dich zum Beispiel am Frühstückstisch entscheiden musst, ob du lieber die Banane oder den Apfel aus dem Obstkorb nehmen sollst, dann gibt es verschiedene Möglichkeiten, wie du dich für den Apfel entscheidest. Entweder bist du ein „Gewohnheitstier“ und isst jeden Morgen einen Apfel. Dann stellt sich eigentlich gar nicht mehr die Frage, ob Banane oder Apfel. Die Frage ist durch den Aufbau einer Gewohnheit bereits entschieden.

Ohne ein solches Frühstücksritual lässt du dich vielleicht von deinem Bauchgefühl leiten („Ich mag Äpfel eh viel lieber als Bananen, dann ess‘ ich doch lieber den Apfel.“). Deine Emotionen sind dabei sehr hilfreich. Sie zeigen dir intuitiv, was für dich das beste Ergebnis bringt, ohne, dass du groß drüber nachdenken musst. Das erspart dir viel Nachdenken (was bekanntermaßen gerade am frühen Morgen sehr hilfreich sein J). Oder aber du entscheidest dich mit deinem Verstand („Der Apfel ist schon langsam schrumpelig, da sollte ich vielleicht besser den Apfel essen.“).

Um Entscheidungen dieser Art soll es hier nicht gehen, denn sie zu treffen passiert schon ganz automatisch. Ganz anders sieht das schon bei schwierigen Entscheidungen aus: sie können dich regelrecht gefangen halten.

Der Kampf mit dir selbst

Nehmen wir doch mal ein klassisches Beispiel. Seit ein paar Monaten läuft es in deiner Beziehung nicht mehr so gut. Du fühlst dich nicht mehr so aufgehoben und wohl wie vorher. Die Distanz, die ihr zueinander aufgebaut habt, lässt sich nicht so einfach wieder auflösen. Nun stehst du vor der schwierigen Entscheidung. Soll ich bei meinem Partner bleiben oder wäre es besser, ihn zu verlassen, mit allen Konsequenzen, die das Ganze mit sich bringt?

Du wirst vermutlich sehr deutlich die verschiedenen „Stimmen“ in die spüren und hören: Auf der einen Seite habt ihr schon so viel durchgemacht in den ganzen Jahren. Ihr hattet so schöne Zeiten. Vielleicht lässt sich daran wieder anknüpfen, auch wenn du jetzt gerade noch nicht weiß, wie? Und was soll erst mit den Kindern passieren, wenn ihr nicht mehr zusammen seid? Das kannst du ihnen doch nicht antun. Auf der anderen Seite ist dir aber auch klar, dass es dich auf Dauer unglücklich machen würde, bei deinem Partner zu bleiben. Ihr habt euch auseinandergelebt und du siehst eigentlich keine Möglichkeit mehr, sich in irgendeiner Form wieder anzunähern, denn du hast schon so viel verschiedenes probiert und nichts hat gefruchtet.

Zwei Herzen in einer Brust

Dieses Beispiel ist leicht austauschbar gegen andere schwierige Situationen. Zum Beispiel die Frage, ob du in deinem Job bleiben oder aufbrechen solltest zu neuen Ufern. Oder ob du deiner Freundin sagst, dass sich eure Freundschaft für dich nicht mehr länger als eine solche anfühlt.

Schwierige Entscheidungen bedeutet per se, dass du die „zwei Herzen in deiner Brust“ fühlst, die gegeneinander anschlagen und dich die ganze Zeit hin- und herpendeln lassen zwischen den Vor- und Nachteilen, die die verschiedenen Entscheidungen mit sich bringen können. Du bist ambivalent.

Ambivalenz meint das Nebeneinander von gegensätzlichen Gefühlen, Gedanken und Beurteilungen. Das heißt also, dass es keine Eindeutigkeit gibt. Die Konsequenz ist oft das Gefühl einer inneren Spannung oder der Zerrissenheit. Ambivalenz ist per se nichts problematisch. Sie gehört zum Leben dazu und ist Ausdruck verschiedener Gefühle, Bedürfnisse und Werte in dir, die sich nicht auf einen Blick und einfach „übereinanderlegen“ lassen.

Wenn du eine schwierige Entscheidung treffen musst, ist das Zweifeln und das Abwägen zwischen den Ausgängen dieser Entscheidungen also vollkommen normal. Im besten Fall beschäftigst du dich mit den verschiedenen Optionen anstelle dich vor lauter Angst gar nicht weiter mit den Möglichkeiten zu auseinanderzusetzen.

Um einer Antwort näher zu kommen, hilft dir der Einsatz von Entscheidungsmethoden. Im besten Fall verschaffst du dir so mehr Klarheit über beide Seiten und kannst deine Ambivalenz zu einer dir passend erscheinenden Seite auflösen.

Das kann zum Beispiel für den Start eine simple Pro- und Contra-Liste sein. Die du später um eine Bewertung der Optionen erweiterst, um zu einem Ergebnis zu kommen. Oder du wählst stärker intuitive Entscheidungsoptionen. Ralf Senftleben stellt in seinem Artikel verschiedene solcher Methoden vor und Andrea Windolph beschreibt die aus meiner Sicht sehr hilfreiche Nutzwertanalyse.

Die Kraft des Zweifelns

Wenn das Männchen auf deiner Schulter seine Bedenken sehr klar äußert, dann hat das vielleicht auch einen guten Grund. Zweifel sind nicht zwangsweise etwas Schlechtes. Was wäre denn, wenn du deine Zweifel nicht ins Negative ziehst?

Möglicherweise zeigen dir deine Zweifel auch an, dass die Zeit „noch nicht reif“ ist für eine Entscheidung. Vielleicht brauchst du noch weitere Erfahrungen oder Informationen.

Lass uns auf das Beispiel zurückkommen. Wenn ich zweifele, ob ich mich trennen soll oder nicht, weil ich ein ungutes Gefühl verspüre, dann ist der Zweifel zunächst etwas hilfreiches. Er zeigt mir, dass ich vielleicht Informationen brauche wie zum Beispiel:

  • Wie könnte das finanziell überhaupt gehen als Alleinerziehende?
  • Was braucht ein Kind, dessen Eltern sich getrennt haben, damit es sich gut entwickeln kann?
  • Welche Methoden helfen, um eine angekratzte Beziehung zu kitten?

Vielleicht geht es aber auch um bestimmte Erfahrungen oder Selbstklärungen wie zum Beispiel ein gemeinsamer Urlaub, das Prüfen, wie es sich entwickelt nachdem ihr darüber gesprochen habt, dass es jetzt nicht super läuft, eine gemeinsame Paartherapie oder was weiß ich.

Deine Zweifel können dir dabei helfen, einmal inne zu halten und zu überlegen, warum du überhaupt zweifelst. Vielleicht bist du einfach noch nicht bereit für eine Entscheidung- und das ist auch okay so. Du brauchst vielleicht noch ein bisschen Zeit, um darüber nachzudenken, damit die Entscheidung reift. Diese Zeit kannst du nutzen, um entscheidungsrelevante Dinge zusammenzutragen und für dich zu klären.

Entscheidung zwischen Pest und Cholera

Und nun lass uns dahin schauen, wo es wirklich schmerzt. Meine Erfahrung ist, dass es auch Entscheidungen gibt, an denen du wirklich nicht weiterkommst. Bei jedem Lösungsansatz, den du dir überlegst, folgt ein inneres „Ja, aber …“ oder ein gefühltes „Das geht nicht, weil …“. Jede Pro- und Contra-Liste führt unter dem Strich zu einem 50:50-Ergebnis.

Wo du das Gefühl hast, du hast alle Optionen im Kopf bis zum Ende durchgedacht und mit dem Bauch durchgefühlt. Und egal, welche Entscheidung du treffen würdest, es fühlt sich immer an wie ein riesengroßer Misthaufen. Du pendelst permanent hin und her zwischen den Optionen und kannst dich nicht entscheiden, weil es sich anfühlt wie die Wahl zwischen Pest und Cholera. Keine der Entscheidungen ist befriedigend, aber dir ist eben auch klar, dass alles nicht unter einen Hut zu bringen ist und dass keine Entscheidung treffen auch keine Lösung ist.

Nimm die Beziehungskiste: In einem Gespräch mit deiner Freundin kommst du zu dem Schluss, dass du den Kindern eine Trennung einfach nicht antun willst. Du zeigst dich bemüht, aber deine Bemühungen fruchten nicht wie erhofft. Nach einer Woche fängt das Männchen auf deiner Schulter wieder an, seinen Mund aufzumachen und zu zweifeln: das macht doch alles keinen Sinn mehr, du weißt doch, dass er dich auf Dauer einfach nicht mehr glücklich machen kann. Was folgt ist ein Erschöpfungszustand. Du merkst, dass alles Abstrampeln und Kämpfen nichts hilft und schon fängt es wieder an, dass du merkst, dass du alles kleinredest und dir sagst, dass das doch alles gar nicht so schlimm ist und ihr das schon irgendwie wieder hingebogen bekommt. Daran glaubst du aber auch nicht wirklich.

Dieses „sich gefangen fühlen“ bedeutet, dass du dich vermutlich in einem Dilemma, in einer Zwickmühle, befindest.

Du kennst das vom Mühlespiel. Es ist eine Situation, in der du vollkommen gefangen bist. Du kannst machen, was du willst, der Gegner hat seine Steinchen so positioniert, dass du zwangsläufig deine Mühlesteine verlierst.

Gefangen zwischen dem Strampeln, Kämpfen, Resignieren und Verzweifeln

Wenn du in einer Zwickmühle feststeckst, merkst du das leicht, weil du in immer währender Abfolge einen Kreislauf erlebst: Du schwankst zwischen dem Gefühl des Kämpfens und Strampelns („Ich muss eine Lösung finden, damit es wieder gut läuft“, „Wie müssen dringend reden über …“, „Ich probiere jetzt xy“), der Resignation („Es hat so alles keinen Sinn mehr“, „Ich kann nicht mehr“) dem Versuch, die Entscheidung zu vermeiden (z.B. indem du dich versuchst, selbst zu beruhigen a la „So schlimm ist die Beziehung ja nun auch nicht. Andere Frauen erzählen noch ganz anderes.“) und dem Gefühl der Verzweiflung („Es wird sich nie ändern“, „Egal was ich mache, ich verliere und das fühlt sich einfach nur schrecklich an“).

Weil sich Verzweiflung schlimm anfühlt und du die Zerrissenheit kaum aushalten kannst, steigst du mit hoher Wahrscheinlichkeit wieder ein, strampelst und es geht munter weiter. (Diesen Kreislauf hat Bernd Schmid übrigens in den 1980iger Jahren beschrieben.)

Wenn du diese Dynamik bei dir erkennst, ist das ein elementarer Schritt. Bisher hast du nämlich immer gedacht, dass du dein Problem klassisch lösen kannst. Ein Dilemma ist aber nicht lösbar. Wenn du mit klassischen Entscheidungsmethoden versuchst, aus einem Dilemma zu kommen, wird das nicht funktionieren. Daran bist du nicht schuld. Es liegt in der Natur der Sache.

Einen ersten Ausweg aus der Zwickmühle hast du bereits gefunden, wenn du akzeptierst, dass Verzweiflung gerade angemessen ist. Dass sie emotionaler Ausdruck davon ist, dass du in einem ersten Schritt keine gute Lösung finden wirst. Und das ist schwer. Schwer auszuhalten und zu ertragen. Und wenn ich das hier schreibe, dann meine ich nicht, dass du dich in die Opferrolle begibst und nun nichts mehr tust. Nein, ich meine, dass du anerkennst, dass diese Verzweiflung dir sagt, dass du vollkommen andere Entscheidungswege benötigst, wenn du hier einen Schritt weiterkommen willst.

Dein Ausweg aus der Zwickmühle: bewusst entscheiden

Das Problem ist, dass wir Menschen immer versuchen, eine objektiv richtige Entscheidung zu treffen. Eine Entscheidung, hinter der wir voll („zu 100%“) stehen können und sagen: „Das ist die einzig richtige und logische Entscheidung“.

Diesen Zustand wirst du in einer Zwickmühlensituation aber NIE erreichen.

Du wirst keinen Moment erleben, in dem du aus vollem Herzen sagst (ohne ein inneres „ja, aber…“ zu spüren): „Ich trenne mich.“ oder „Ich bleibe und das ist gut so.“. Du musst akzeptieren, dass dieses innere Gerangel nicht aufhören wird. Auch nicht, wenn du noch so viele Pro- und Contra-Listen schreibst. Denn es ist Ausdruck von verschiedenen Werten, die dir wichtig sind und Zielen, die du verfolgen und erreichen möchtest.

Raus aus der Zwickmühle kommst du erst, wenn du akzeptierst, dass es darum geht, eine persönlich verantwortete Entscheidung zu treffen.

Egal, ob du dich am Ende dafür entscheidest, bei deinem Partner zu bleiben und die Beziehung fortzuführen oder aber die Entscheidung triffst, zu gehen, du allein trägst die Verantwortung und auch das Risiko. Wir alle versuchen durch die ganzen Entscheidungsmethoden diese Verantwortung ein Stück weit wegzuschieben. Wir können dann am Ende sagen: „Es ist doch ganz klar. So musste ich handeln!“.

Wenn du eine solche Entscheidung zu treffen hast, dann bist du immer in einer angreifbaren Position. Deine Kinder können dich später fragen: „Mami, warum hast du dich nicht getrennt? Wir haben immer den Streit mitbekommen und dass du unglücklich warst und die schlechte Stimmung.“. Oder aber auch „Mami, warum hast du dich getrennt? Immer mussten wir zwischen dir und Papa hin- und herziehen und hatten nie das Gefühl, irgendwo wirklich zu Hause zu sein.“ Du selbst kannst, je nach weiterem Verlauf deines Lebens, Vorwürfe machen, du hättest dich falsch entschieden oder auch dein Umfeld.

Mit diesen 2 Fragen kommst du einen Schritt nach vorn

  1. Wie viel Prozent in mir müssten der Meinung sein, dass x eine gute Idee ist?

Wenn du davon ausgehst, dass in einer Zwickmühlensituation niemals 100% von dir von einer Entscheidung überzeugt sein werden, dann frag dich, ab wann du dich entscheidungsfähig fühlst.

  1. Welchen Preis will ich (nicht) zahlen?

Du bist deswegen entscheidungsunfähig, weil du versuchst, eine Lösung zu finden, die dich am Ende nichts kostet. Bei der Beziehungsfrage könnte das beispielsweise sein: Keiner soll sauer auf dich sein (weder deine Kinder, noch dein Umfeld, noch du selbst), du möchtest auch nicht unglücklich in einer Beziehung sein, die eine reine WG ist, du willst nicht die Angst vor finanzieller Unsicherheit tragen oder die Sorge, ob es nicht noch etwas Besseres für dich gegeben hätte im Leben.

Natürlich wäre es das allerschönste, wenn es eine solche Lösung gäbe. Andererseits kannst du dich fragen, für wie realistisch du es selbst hältst, dass du in deiner jetzigen Situation wirklich eine Lösung ohne einen solchen Preis findest? Vermutlich wirst du feststellen, dass das sehr unwahrscheinlich ist.

Wenn du nun weiterkommen willst, dann finde für dich heraus, welches Risiko du keinesfalls aushalten möchtest oder auch, welches Risiko du aushalten müsstest, welchen Preis du zahlen müsstest, damit du (wieder) entscheidungs- und handlungsfähig wirst und aufhörst, dich weiter im Kreis zu drehen.

Befrei dich aus dem Netz deiner Annahmen

Ein Dilemma, das bedeutet vor allem und in erster Linie, gefangen zu sein im Netz der Handlungsalternativen. Keine davon geht, aber das geht auch nicht.

Deswegen ist es unerlässlich, dass du selbst für dich eine Inventur deiner Grundannahmen machst. Denn deren Kombination führt dich in aller Regel in die Sackgasse. Diese Grundannahmen, das sind Glaubenssätze und Ansprüche („so muss ich sein, wenn ich ein wertvoller Mensch sein will“), Ausdruck von Werten („dies oder jenes ist mir so wichtig, dass nichts daran vorbei geht“) oder Erfahrungen, die du gesammelt hast („das oder jenes versuchen kann ich gleich sein lassen – das bringt nichts“).

Hast du einmal über das Netz aus deinen Grundannahmen nachgedacht, die dich in der Summe gefangen halten in der Alternativlosigkeit?

Nimm wieder unser Beziehungsbeispiel: Vielleicht gibt es bei dir Vorstellungen wie…

  • Meine Kinder werden doch nur glücklich sein, wenn sie mit Mama und Papa gleichzeitig aufwachsen.
  • Ich schaffe das doch gar nicht, alleine auf eigenen Beinen zu stehen, nach so langer Zeit.
  • Ohne finanzielle Sicherheit kann ich nicht leben.
  • Wenn ich mich trenne, kommt vielleicht keine neue Liebe daher.
  • Ohne einen Partner ist das Leben nicht lebenswert.
  • Eine Paarbeziehung, in der es nicht leidenschaftlich zugeht, ist keine gute Paarbeziehung.
  • Wenn er mich liebt, würde er mich verstehen.
  • Wenn ich ihn wirklich liebe, könnte ich nachsichtiger sein.
  • Zuverlässige Menschen lassen niemanden im Stich.
  • Wer sich seiner Verantwortung entzieht, ist schwach.

Das sind Beispiele.

Geh auf Spurensuche

Geh auf Spurensuche nach deinen handlungsleitenden Glaubenssätzen, Werten und Erfahrungen. Beobachte dich genau über eine Zeit und schreib dir das auf.

Dann schau mal, wie sie zusammenhängen und wie sich das im Gesamtbild für dich darstellt.

Meine Erfahrung aus Coachings zu schweren Entscheidungsprozessen ist: Wenn all die Annahmen stimmen, wenn alles gilt, was der Coachee glaubt und denkt, dann wird eine Entscheidung nie zustande kommen können. Dann wird sich kein Ausweg zeigen aus dem verwobenen Kuddelmuddel.

Prüfe also: Welche dieser Annahmen bist du am ehesten bereit, in Frage zu stellen?

Was mir in diesem Zusammenhang wichtig ist: Natürlich haben alle diese Annahmen eine Berechtigung und sie stimmen gefühlt alle für dich. Ist ja klar, sonst hättest du diese Annahmen erst gar nicht. Dennoch wirst du ohne das Hinterfragen einer Lösung nicht näher kommen.

Im Beispiel der unglücklichen Beziehung könnte das zum Beispiel das Szenario sein, dass die Kinder immer Mama und Papa gleichzeitig brauchen, um glücklich zu sein. Oder deine Annahme, dass du ohne finanzielle Sicherheit nicht leben kannst oder aber auch, dass eine funktionierende Paarbeziehung nur auf diese oder jene Weise stattfinden kann…

Was auch immer es bei dir ist, dadurch wird sich das Wollknäuel aus miteinander verknoteten Annahmen entwirren.

Schwierige Entscheidungen treffen und selbst gut für sich sorgen

Wenn ich auf meine persönlichen Zwickmühlensituationen der Vergangenheit schaue, dann hatte meine gefühlte Ohnmacht viel damit zu tun, dass ich niemanden enttäuschen wollte. Manchmal mich selbst nicht (in meinen vollkommen überhöhten Ansprüchen an mich selbst), manchmal auch andere, die mich ihre Enttäuschung auch haben spüren lassen. Dieses Risiko hier oder da einzugehen (und die Bereitschaft, den damit verbundenen Preis zu bezahlen) hat mich persönlich reifen lassen.

Durch die oben genannten Schritte kannst du dich einer persönlich verantworteten Entscheidung auch in schwierigen und vielleicht sogar dilemmatischen Situationen nähern.

Gleichzeitig gilt: Es fühlt sich nicht nur gut an. Es gilt viel auszuhalten, wenn du die Bereitschaft übernimmst, eine solche Entscheidung zu treffen.

Bei einer Trennung beispielsweise musst du dich schon im Vorhinein darauf einstellen, dass du Menschen enttäuschst, vielleicht nicht nur deinen Partner, sondern auch einige seiner oder deiner Freunde, eure Kinder und auch dich, weil du dich von deinem ursprünglichen Lebensentwurf verabschieden musst. Oder wenn du bleibst, dann wirst du immer wieder Momente haben, in denen du vielleicht etwas nicht bekommst, was du dir wünschst und auch hier gilt es vielleicht, irgendwelche alten Bilder und Erwartungen hinter dir zu lassen.

Begegne dir selbst deswegen mit Selbstmitgefühl. Fühle in dich hinein und überlege dir, wie du dich selbst gut versorgen kannst, was du brauchst und was dir helfen kann, mit diesen Gefühlen einen guten Umgang zu finden.

Deine Meinung ist gefragt

Ich hoffe sehr, dass dieser Artikel dir dabei helfen konnte, besser mit schwierigen Entscheidungen umzugehen. Vielleicht steckst du ja gerade in genau so einer Zwickmühlensituation und kannst einige dieser Tipps für dich nutzen. Lass gern einen Kommentar hier: Was sind Zwickmühlensituationen, die du aus deinem Leben kennst? Was hat dir geholfen?

 

PS: Sharing is caring: Wenn dir der Artikel gefallen und geholfen hat, teile ihn jetzt mit deinen Liebsten und mit allen Menschen, denen das Wissen auch weiterhelfen kann. Dankeschön!

PPS: Wenn dich das Thema Zwickmühlen vor allem im beruflichen Alltag interessiert, dann kann ich dir mein neu erschienenes Buch „Wege aus beruflichen Zwickmühlen. Navigieren im Dilemma“ empfehlen, das ich gemeinsam mit meiner lieben Kollegin Julia Zwack verfasst habe. In diesem Büchlein haben wir unsere jahrelangen praktischen Erfahrungen verarbeitet, aber auch die Ergebnisse aus einem Praxisforschungsprojekt. Ganz wichtig, wenn du mit dem Gedanken spielst, es zu kaufen: Es enthält vor allem Gedankenfutter für Menschen, die in beruflichen Dilemmasituationen sind und Coaches, die diese Menschen beraten.