Hattest du schon mal das Gefühl, irgendetwas fehlt dir, um wirklich erfüllt zu leben, aber du bist dir nicht sicher, was? So ging es Kathi, bevor sie die Positive Psychologie für sich entdeckt hat. Heute genießt sie ihr Leben in vollen Zügen. Im Interview erzählt Kathi von ihrer Glücksreise – und gibt dir ihre besten Tipps weiter.

Bevor du deine Glücksreise mit uns teilst, verrate uns: Wie würdest du jemandem erklären, was Positive Psychologie ist, wenn er noch nie davon gehört hat?

Die Positive Psychologie ist die Wissenschaft des gelingenden und erfüllten Lebens. Sie ist ein Gegenmittel gegen Unzufriedenheit.

Eine Zeile aus dem Lied „Glück“ von Berge beschreibt sehr schön, was ein gelingendes Leben für mich bedeutet: „Glück ist die Freiheit, einfach so zu sein, wie wir sind.“

Positive Psychologie ist ja nun nichts, was an Ständen im Supermarkt angepriesen wird oder dir als Werbung an Litfaßsäulen entgegenspringt. Wie bist du darauf gestoßen?

Das war ein längerer Weg. Ich habe vor einiger Zeit schon eine Coachingausbildung gemacht. Das hat viel in mir ausgelöst, weil wir uns mit Biographiearbeit beschäftigt haben und ich mehr verstanden habe, warum ich so bin wie ich bin. Gleichzeitig fand ich die Themen irgendwie schwer, ich bin jedes Mal eher erschlagen heim gegangen.

Als ich mit meiner Tochter schwanger war, habe ich viel Zeit mit Podcasts verbracht und in einer Folge ist mir die Positive Psychologie begegnet. Darin hat eine Frau von ihrer Ausbildung in Positiver Psychologie erzählt und von den Themen, mit denen sie sich dort beschäftigt hat.

Mir war sofort klar: Das ist es! Das passt und fühlt sich richtig für mich an.

Wie ging es dann weiter?

Erstmal kam das Leben dazwischen. Ich stand an einem großen Wendepunkt in meinem Leben, als ich mich kurz nach der Geburt meines zweiten Kindes von meinem damaligen Mann getrennt und mit meinem neuen Partner zusammengezogen bin.

Wir mussten erstmal ankommen, uns eingewöhnen. Aber ich habe gemerkt, dass die Positive Psychologie im Hintergrund in mir weitergearbeitet und mich nicht losgelassen hat.

Etwa ein Jahr später habe ich mich gleich für die Ausbildung angemeldet und die Positive Psychologie in mein Leben gelassen. Nur um dann, als sie in meinem Leben war, festzustellen, dass ich, ohne es zu merken, schon immer eine große Sehnsucht nach ihr hatte.

Ich glaube, vielen Menschen geht es genauso. Irgendetwas fehlt, aber sie können nicht greifen, was. Kannst du rückblickend beschreiben, wie diese Sehnsucht für dich ausgesehen hat?

Ich hatte eine ganz tiefe Sehnsucht nach einem leichten, schönen, angenehmen und erfüllten Leben. Denn in meinem Leben war beileibe nicht immer alles leicht.

Die Positive Psychologie hat mir bewusst gemacht, dass ich die Gestalterin meines Lebens bin und hat mir ermöglicht, mich persönlich als Kathi kennenzulernen. Zu sehen, was in mir steckt, was meine Stärken sind und wie ich diese einsetzen kann, um meinen Alltag, meine Beziehungen und all das, was mich ausmacht, gut zu gestalten und zu leben.

Bevor ich die Ausbildung gemacht habe, hatte ich immer das Gefühl: Das kann nicht alles gewesen sein, da muss es noch mehr geben.

Man kennt das ja von älteren Menschen, die mit 50, 60 oder 70 Jahren auf ihr Leben zurückblicken und feststellen: „Mist, jetzt ist der größte Teil meines Lebens schon vorbei und es fällt mir nicht mehr so leicht, etwas zu verändern, Entscheidungen zu treffen.“. Vielleicht hab ich in einem bestimmten Alter gar nicht mehr die körperliche oder psychische Verfassung, all das zu tun, was ich gern tun würde.

Genau das wollte ich nicht! Ich wollte nicht am Ende meines Lebens zurückschauen und denken, dass ich irgendetwas verpasst habe oder anders hätte tun sollen. Ich will sagen können: Tschakka, das war ein geiles Leben, das hab ich gerockt.

Dieses Gefühl, dass ich nur diese eine Chance im Leben habe und die auch nutzen will, ich glaube das war es, was meine Sehnsucht getrieben hat. Außerdem wollte ich für meine Kinder ein tolles Vorbild sein, ihnen ein Leben ermöglichen, in dem sie sich voll entfalten können.

Was würdest du mit dem Wissen von heute einer Person raten, die sich ähnlich fühlt wie du, aber noch nicht die nötige Motivation hatte, sich mit sich und ihrem Leben auseinanderzusetzen und aktiv etwas zu verändern? 

Für mich hat die Metapher mit dem Maßband total viel ausgelöst.

Man kann sich so bildlich vor Augen führen, wie viel Lebenszeit noch bleibt. Man nimmt sich einen langen Papierschnipsel und zeichnet die Lebensjahre darauf ab. (Tipp von Ulrike: Besorg dir solche Papiermaßbänder aus einem Baumarkt oder Möbelhaus.) Dann schneidest du die Jahre, die du schon gelebt hast, ab und stellst fest: Wow, da ist schon ganz schön viel weg.

Wenn du dann diesen Teil mit Jahren in der Hand hast, die noch vor dir liegen, löst das automatisch eine Reaktion in dir aus.

Bist du schon rundum glücklich, wirst du dir denken, dass du einfach so weitermachen willst wie vorher. Wenn du aber wie ich glaubst, dass es noch Luft nach oben gibt, wirst du den Drang spüren, diesen Schnipsel, diese 20, 30, 40 Jahre oder wie viel auch immer dir noch bleiben, zu nutzen. Und dir das Leben zu gestalten, das dich wirklich erfüllt und zufrieden macht.

Du hast schon angedeutet, dass die Positive Psychologie in deinem Leben super viel verändert hat. Erzähl mal von deiner Glücksreise und den für dich besonders wichtigen Erkenntnissen und Veränderungen!

Es hat sich schon total viel verändert, als wir das Thema positive Gefühle angegangen sind und gelernt haben, wie wir sie nutzen können, damit es uns gut geht.

Besonders spürbar war die Veränderung für mich aber nach dem zweiten Modul, in dem wir uns mit unseren Stärken auseinandergesetzt haben.

Ich bin eher mit Blick darauf aufgewachsen, was ich alles nicht gut kann und wo ich mich noch verbessern muss. Die Stärken, die ich hatte, fühlten sich für mich oft minderwertig an.

Zum Beispiel gehören Kreativität und Bindungsfähigkeit zu meinen Hauptstärken. Aber so habe ich sie nie wahrgenommen. Ich dachte: „Joa, ist ja ganz nett, aber viel lieber hätte ich Führungsfähigkeiten, Teamfähigkeit, Weisheit. DAS sind richtige Stärken, das wird ja auch immer von Unternehmen gefordert!“

Mir ist erst durch die Ausbildung in Positiver Psychologie klar geworden, dass ich das eine nicht höherstellen muss als das andere. Ich bin besonders mit meinen Stärken und ich kann die nutzen und in allen erdenklichen Lebensbereichen richtig cool einsetzen. Wenn ich meine Stärken einsetze, geht mir das total leicht von der Hand, ich bleibe dabei authentisch und kann wirklich etwas verändern.

Als ich das Modul abgeschlossen hatte, kam der erste Corona-Lockdown und ich habe extrem gemerkt, wie das Wissen über meine Stärken und positive Emotionen meine ganze Familie davor bewahrt hat, an der Herausforderung zu verzweifeln.

Kannst du ein paar Beispielsituationen teilen, in denen dir das aufgefallen ist?

Ich bin in meiner Partnerschaft während des Lockdowns richtig kreativ geworden, wenn es um Dates ging, die wir miteinander haben konnten. Zum Beispiel, dass wir am Wochenende einfach mal einen Rucksack packen und in die Weinberge zum Wandern fahren, uns eine Flasche Wein von zu Hause und eine coole Frage mitnehmen, über die wir uns austauschen können. Oder, dass wir abends gemeinsam kochen und die Zeit zusammen genießen.

Meine Kreativität war aber gerade auch für meine Kinder wichtig. Denn die wollten natürlich betreut werden, was mit parallelem Homeoffice nicht unbedingt leicht ist. Ich bin dann beispielsweise in Telefonkonferenzen mit dem Kinderwagen eine Runde spazieren gegangen. Auch das ist ja Kreativität – gute Ideen haben.

Besonders stolz bin ich auf die coolen Kindergeburtstage, die wir gefeiert haben – zwar nicht mit anderen Kindern, aber wir als Familie hatten die beste Zeit zusammen. Den Geburtstag meines Sohnes haben wir mit Polizeimotto gefeiert. Wir Eltern waren die Gangster und die Kinder die Polizisten. Da sind wir zusammen ums Haus gesprungen und hatten unfassbar viel Spaß.

An einem anderen Tag habe ich beschlossen, den Lesetag meines Sohnes, der wegen geschlossener Kita ausgefallen war, selbst in die Hand zu nehmen. Er hat dann per Videobotschaft die anderen Kinder in eine Zoom-Konferenz eingeladen und ich habe ihnen vorgelesen.

Solche Unternehmungen waren nur möglich, weil ich meine Stärken eingesetzt habe. Ich habe mich gefragt, wie ich das, was mir sowieso leichtfällt und Freude bereitet, nutzen kann, um für uns zu sorgen. Das positive Gefühl, das dabei entstanden ist, hat sich auf die ganze Familie übertragen.

Das klingt, als hättest du deinen Kindern im vergangenen Jahr eine echt gute Zeit bereitet.

Ja, und ich habe auch gemerkt, dass ich ihnen in diesen Bereichen ein echtes und authentisches Vorbild sein kann.

Ich habe zum Beispiel festgestellt, dass mein Sohn unglaublich kreativ ist. Da schaue ich jetzt, wie ich das fördere und wir überlegen gemeinsam, wie er das einsetzen und gut für sich nutzen kann. Die Strategien, die ich gelernt habe, gebe ich auch meinen Kindern an die Hand und sie können sie in der Schule, in ihren Beziehungen oder eben zu Hause einsetzen.

Ich glaube, dass der erste Lockdown im März 2020 für meine Kinder nicht so dramatisch war wie für andere Kinder, weil sie ganz viele schöne Erinnerungen an diese Zeit haben, die ich mitgestaltet habe.

Du hast gerade schon von wunderbaren Wohlfühl-Glücksmomenten mit positiven Gefühlen und Stärkeneinsatz berichtet. Was ich an der Positiven Psychologie so schön finde ist, dass sie nicht nur dieses „Wohlfühlglück“ steigert. Sondern auch das Werteglück. Denn es gibt ja auch Momente, die sich nicht so schön anfühlen und dich trotzdem erfüllen, weil sie für dich sinnvoll waren. Welche Erkenntnisse hast du gewonnen, als du dich mit deinen Werten und dem Sinn in deinem Leben auseinandergesetzt hast?

Vor meiner Ausbildung in Positiver Psychologie war ich davon überzeugt, dass ich schon wüsste, was mir wichtig ist. Aber wenn man mich gefragt hätte, hätte ich es nicht benennen und auch nicht in Verbindung zueinander setzen können.

Ich habe beispielsweise eine Umdeutung für mich persönlich unglaublich wertvoll empfunden. Mir ist der Satz „Stress entsteht dann, wenn etwas, was dir wichtig ist, in Gefahr ist.“ Besonders hängengeblieben.

Da hat etwas in meinem Kopf Klick gemacht und nachdem ich mich aktiv damit auseinandergesetzt hatte, was mir wichtig ist, konnte ich ganz anders mit Stresssituationen umgehen und viel klarer Entscheidungen treffen. Weil ich wusste: „Da ist etwas, was ich schützen und behüten will, weil mir das unglaublich wertvoll ist und deshalb entscheide ich mich bewusst dafür und nicht für irgendetwas anderes.“.

Besonders gemerkt habe ich das nach Weihnachten, als meine Kinder in der ersten Woche nach den Ferien noch zu Hause bleiben sollten und noch nicht klar war, ob nochmal ein Lockdown kommt. Ich habe mich, ohne zu zögern, dafür entschieden, bei der Arbeit anzurufen und eine Woche Urlaub zu nehmen. Weil es mir total wichtig war, meinen Sohn im Homeschooling gut abzufangen.

Ein halbes Jahr vorher hätte ich das nie so deutlich entschieden. Ich hätte versucht, beides unter einen Hut zu bringen und wäre kläglich gescheitert. Aber in diesem Moment war es mir so klar, dass ich für meinen Jungen da sein will, da kam ich auch nicht ins Zweifeln, ob das richtig war oder nicht.

Selbst, wenn andere die Entscheidung anders getroffen hätten. Was mir wichtig ist, muss ja nicht auch anderen wichtig sein, aber für mich ist es das eben und das zählt. Wenn ich mich gut fühlen will, muss ich für die Dinge einstehen, die mir etwas bedeuten.

Das, was du gerade beschreibst, ist ein wichtiger Aha-Moment, finde ich. Dass Glück für jede:n eine individuelle Antwort bedeutet und du nicht drumherum kommst, dich mit dir selbst zu beschäftigen. Hat dir diese Erkenntnis noch woanders weitergeholfen?

Absolut. Eine meiner Stärken ist der Sinn für das Schöne und ich habe gelernt, dass Genuss eben auch ein Wert ist, der einem wichtig sein kann.

Gerade jetzt in Corona-Zeiten habe ich gemerkt, dass mir persönlich Unternehmungen wie Essen gehen unheimlich fehlen. In Gesprächen kam dann oft die Rückmeldung: „Och nö, da kann ich eigentlich total gut drauf verzichten. Gibt doch wirklich wichtigere Dinge.“

Anfangs habe ich mich gefragt, ob ich oberflächlich bin oder falsche Prioritäten setze.

Aber nein, das ist einfach ein wichtiger Wert für mich und meine persönliche Glücksreise im Leben. Genuss und die Lebensfreude sind für mich essentiell. Genuss ist für mich eine Möglichkeit, positive Emotionen zu erleben. Mich so kennen und verstehen zu lernen, hat mich in meinen Entscheidungen viel selbstbewusster gemacht.

Denn ja, vielleicht ist das für andere Menschen nicht so wichtig. Vielleicht setzen sie eher auf Sicherheit. Dann sollten sie andere Entscheidungen treffen. Aber für mich ist es eben der Genuss und das ist gut so. Wenn ich das weiß, kann ich danach handeln und mein Leben so gestalten, dass ich mit meinen Werten im Einklang bin.

Das klingt total schön, Kathi. Ich habe noch eine Frage zum Abschluss für dich: Vielleicht bist du auch schon Menschen begegnet, die auf das Thema „glückliches und erfülltes Leben“ eher mit einer abwinkenden Hand reagiert haben. Viele glauben, das wäre Pipifax und sie hätten genug Probleme, da könnten sie sich nicht noch ums Glücklichsein kümmern. Was würdest du einer Person sagen, die so eingestellt ist? 

Dass man auch mit Problemen glücklich und erfüllt sein kann. Das gehört zum Leben dazu und glücklich und erfüllt sein bedeutet einfach, dass man mit Problemen anders umgehen kann.

Ich stelle mir das immer wie einen Rucksack vor, den ich mein Leben lang auf den Schultern trage. Ich bin selbst verantwortlich, was ich mir da an Werkzeug reinpacke. Das kann ich dann in bestimmten Situationen herausholen, um besser mit Herausforderungen umzugehen.

Ich weiß, dass es oft eine Überwindung ist, etwas Neues auszuprobieren.

Ich helfe mir, indem ich es mir als Experiment vorstelle und mir die Erlaubnis gebe, es erstmal auszuprobieren. Wenn ich merke, dass etwas nicht für mich passt, wandert es in die Tonne. Aber mit der Positiven Psychologie durfte ich bisher immer feststellen, dass sich im Nachhinein etwas positiv verändert hat. Also blieb das Neue in meinem Leben.

Mein Rat wäre also: Einfach mal machen, sich überraschen lassen und immer mit einer Portion Neugier an die Sache rangehen. Du hast nichts zu verlieren, aber viel zu gewinnen.

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Links und Lesetipps zum Blogartikel „Erzähl doch mal: Dank Positiver Psychologie hat sich mein ganzes Leben verändert“

📚 Lesetipps zum Tiefer einsteigen: Lies hier 7 unschlagbare Argumente, warum du an der Positiven Psychologie nicht vorbeikommst, wenn du glücklich und erfüllt leben willst und hier, wie du deinem Glückslevel mit 6 simplen Strategien einen Kickstart verpasst.

👉🏻 Mehr über Kathis Arbeit mit ihrer Seite „Das kleine Glück“ erfährst du hier.

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Ulrike