growth mindset

Willst du deine Minderwertigkeitsgefühle und die Negativ-Brille auf dich selbst ablegen und stattdessen mehr in deine Fähigkeiten vertrauen? Möchtest du wissen, wie du deine Selbstzweifel in Mut und Zuversicht umwandelst, damit du dich traust, neue Dinge zu wagen?

Dann bist du in guter Gesellschaft, denn solche Fragen bzw. Aussagen erreichen mich derzeit zuhauf. Lass mich dir in diesem Artikel den Unterschied zwischen dem fixed und growth mindset erklären. Damit du weißt, welche Mindset-Shifts nötig sind, um dir leichter Fehler zu verzeihen, mehr Selbstvertrauen zu haben und dir voller innerer Kraft neue, anspruchsvolle Ziele zu setzen und diese auch zu erreichen.

Na dann los, stellen wir dein Selbstbild doch mal gehörig auf den Kopf!

Wie wir uns alle kleinhalten

Was denkst du über dich, wenn dir etwas nicht so gut gelingt und du Fehler machst? Siehst du sie als Entwicklungsmöglichkeit, als Wachstumschance und begrüßt du sie? Oder nimmst du das eher als Anlass, um dich abzuwerten, um an dir und deinen Kompetenzen zu zweifeln?

Könnte es sein, dass dir Sätze durch den Kopf gehen wie…

  • „War ja klar, dass das nichts wird. Ich kann das einfach nicht.“
  • „Ich hab‘ halt einfach kein Talent dafür.“
  • „Andere sind eben kompetenter als ich – ich sollte mich am besten damit abfinden, dass ich ein Versager bin.“
  • „Einmal Loser, immer Loser.“
  • „Das wird nie im Leben was. Diese Blamage kann ich mir in Zukunft auch sparen.“

Begleiten diese Sätze Gefühle der Wut, Ohnmacht, Hilflosigkeit oder Resignation?

Soweit – so menschlich!

Du bist auch nicht die Einzige, der es schwer fällt, aus solchen negativ-pessimistischen und selbstabwertenden Gedankenspiralen rauszukommen.

Denn wir bekommen solche Denkweisen wie:

  • „Fehler sind schlecht und etwas für Schwache.“,
  • „Nur wenn du gut bist und was leistest, bist du wertvoll.“,
  • „Du solltest an deinen Schwächen arbeiten.“

usw. von Gesellschaft, Elternhaus, Schulsystem und allen anderen Seiten direkt und indirekt eingeimpft.

Du wirst ständig bewertet. Manchmal fällt dieses Urteil gut aus („kann was“), manchmal nicht („kann nichts“). Fehler sind stets ein Zeichen dafür, dass du es nicht bringst.

Ja, auch ich war lange Zeit gefangen in solchen starren Überzeugungen über mich und die Welt, die mich klein hielten und schnell in die Selbstabwertung führten.

Die gute Nachricht: das gehört der Vergangenheit an. (Ok, seien wir ehrlich: Es gehört in 90% der Fälle der Vergangenheit an. Ich kann das schon auch noch.)

Wie ich das geschafft habe?

Ich habe daran gearbeitet, mein Mindset komplett zu verändern. Der Schlüssel dazu waren die Arbeiten von Carol Dweck, einer Psychologieprofessorin an der Standford University und eine der führenden Forscherinnen auf dem Gebiet der Entwicklungspsychologie.

Der Ansatz des growth mindset vs. fixed mindset

Carol Dweck fand heraus, dass es zwei Möglichkeiten gibt, wie du auf dich und deine Fähigkeiten schauen kannst. Vereinfacht gesagt, wie dein Selbstbild ist.

Du kannst entweder davon ausgehen, dass wir Menschen grundsätzlich und langfristig lern- und entwicklungsfähig sind („growth mindset“). Oder aber davon überzeugt sein, dass uns unsere Intelligenz, unsere Fähigkeiten und somit unsere Leistungsfähigkeit in die Wiege gelegt wurde und wir wenig Einfluss auf sie nehmen können („fixed mindset“).

Menschen mit einem fixed mindset zeichnen sich dadurch aus, dass sie…

  • Fähigkeiten, Talente und Intelligenz als gegeben und nur begrenzt form- und gestaltbar sehen.
  • sehr ergebnisorientiert sind. Erfolg ist für Menschen mit einem fixed mindset mit guten Noten bzw. „der/die Beste sein“ gleichzusetzen.
  • Fehler mit einem Mangel an Kompetenz gleichsetzen und entsprechend auf sie reagieren: ihre Motivation, etwas weiter zu probieren, sinkt und sie fühlen sich wütend, hilflos, minderwertig oder ohnmächtig.
  • Herausforderungen eher vermeiden und sich in sicheren Gefilden aufhalten, denn nur so können sie unguten Gefühlen aus dem Weg gehen.

Menschen mit einem growth mindset hingegen sehen…

  • Fähigkeiten, Stärken und die Intelligenz als entwicklungs-, ausbaufähig und veränderbar.
  • Erfolg als Wachstums- und Lernchance, um etwas besser verstehen zu können.
  • Fehler als Entwicklungsmöglichkeit, weswegen Fehler ihre Motivation und Leistungsbereitschaft eher steigern.
  • Herausforderungen als etwas Wünschenswertes an, die sie deshalb aktiv suchen.

Deine gesamte Wahrnehmung und damit deine Wirklichkeit wird davon beeinflusst, ob du ein growth mindset oder ein fixed mindset hast

Für mich war das augenöffnend. Mir wurde schlagartig klar, dass ich durch die Art, wie ich aufwuchs und wie meine schulische und akademische Laufbahn mich formte, eher dazu neigte, im fixed mindset unterwegs zu sein. Fürchterlich, aber wahr…

Wenn du selbst auch noch im fixed mindset festhängst, hast du ein statisches Bild von dir selbst und von anderen.

Lass mich dir ein, zwei Beispiele geben: Nehmen wir an du denkst von dir, dass du handwerklich völlig unbegabt bist. Du hast früher einmal versucht, ein Regal aufzubauen bzw. dein Fahrrad zu flicken – und beides ist schief gegangen. Damals hast du geschlussfolgert: „Das kann ich einfach nicht!“ Seit dem fragst du bei jeder handwerklichen Aufgabe deinen Partner, ohne vorher selbst einen Versuch zu unternehmen. Oder du bist davon überzeugt, dass du einfach nicht kochen und backen kannst. Nachdem du es einige Male versucht hast, und alles ziemlich misslungen ist, hast du die Kochschürze geschmissen. Nun gibt’s halt Fertigprodukte oder ihr geht essen.

Lass mich dir folgende Fragen stellen: wie sollst du jemals Erfahrungen machen, die dich vom Gegenteil überzeugen, wenn du alles, was deine starre Überzeugung ins Wanken bringen könnte, vermeidest?

Der Teufelskreis des fixed mindsets

In Wahrheit ist es in allererster Linie das fixed mindset, das dich in einem Teufelskreis aus kleinhaltenden Gedanken und Vermeidungsverhalten gefangen hält. Du suchst nach Schuldigen und Gründen, wieso es nicht klappt – und greifst dabei auf deine eigene Unfähigkeit zurück.

Natürlich bestärkt dich das in dem Glauben, dass du das sowieso nicht kannst und bildet den idealen Nährboden für deinen inneren Kritiker und die Spirale aus Selbstzweifel, Selbstabwertung und mangelndem Selbstvertrauen.

Im Klartext: ein fixed mindset sorgt dafür, dass dir nach vermeintlichen Misserfolgen mit der Bratpfanne eins obendrauf gibst und dich als Mensch in Frage stellst. Du empfindest jegliche Anstrengung als Last und betonst überproportional, was dir misslungen ist, feierst deine Erfolge hingegen kaum.

Dumm nur, dass du durch die entstehenden Gefühle von Wut, Hilflosigkeit, Resignation oder Ohnmacht dir die Chance verpasst, das in dir schlummernde Potenzial zu entdecken. Und dir ganz pragmatisch gesehen auch keine Wachstumsziele setzt, sondern stagnierst, d.h. stehen bleibst.

Keine Sorge: es geht auch anders!

Lass uns eines der Beispiele aufgreifen und sehen, welche positiven Konsequenzen ein growth mindset für dich und dein Leben hätte.

Nehmen wir an, du hättest ein growth mindset: was würdest du tun, wenn du bei diversen Reparaturaktionen gescheitert bist?

Du würdest auf diesen vermeintlichen Rückschlag nicht hilflos, sondern proaktiv reagieren.

Wieso?

Weil du Fehlschläge als Lernerfahrungen siehst, die du nutzen kannst, um deine Fähigkeiten und dein Potenzial weiter auszubauen.

Anstatt zu denken: „Das werde ich nie können“, wäre da viel mehr ein „Das hat wohl offensichtlich nicht geklappt – also versuche ich es beim nächsten Mal besser zu machen.“

Danach würdest du dir überlegen, was konstruktive Strategien wären, um deinem Ziel einen Schritt näher zu kommen. Du würdest beispielsweise recherchieren, was du anders machen könntest. Oder dir externe Unterstützung suchen und jemand anderen bitten, dir zu zeigen, wie es geht. Nicht um die Verantwortung und die Aufgabe abzuschieben. Sondern, um zu lernen und die Aufgabe dann beim nächsten Mal erfolgreich und selbstbestimmt erledigen zu können.

Mit einem growth mindset siehst du Anstrengung nicht als negativ, sondern als notwendige Voraussetzung und Ressource, die du gerne einsetzt, um weiter zu kommen. Wenn mal was nicht klappt, probierst du neue Lösungswege aus.

Du bemerkst sicherlich schon beim Lesen, dass das eine ganz andere Qualität hat!

Dass du durch ein growth mindset Verantwortung für dich und dein Leben übernimmst und es proaktiv gestaltest. Weil du eben keine Angst mehr haben musst vor Fehlschlägen.

Auf das Innere kommt es an

Mir ist wichtig, dass du die „Tragweite“ eines growths mindsets wirklich verstehst. Es geht nicht unbedingt darum, im Außen ein Ziel nach dem anderen zu erreichen. Das kann und wird ein positiver Nebeneffekt davon sein.

Viel wichtiger ist aber, dass du in erster Linie eine Grundhaltung entwickelst, eine Einstellung zu dir und zum Leben, die dafür sorgt, dass sich äußerlich etwas tut.

Du wirst merken, dass mit einem growth mindset diese klassische Zielerreichung („irgendwas erreichen“) in den Hintergrund tritt. Dass du mehr und mehr Entwicklungsziele für dich formulierst. Damit ist gemeint, dass du etwas aus der Motivation heraus tust, um zu lernen, um dich weiterzuentwickeln und um der Sache selbst Willen, nicht unbedingt wegen des Ergebnisses. Du hast Freude am Tun und bist eher neugierig und kreativ, wenn sich vermeintliche Hindernisse auftun.

Was heißt das für dich?

Konzentriere dich weniger darauf, was schon alles klappt oder eben nicht klappt, sondern mehr um den inneren UMGANG damit.

Denn dieser ist es, der spürbare Veränderungen bringt und dein Wohlbefinden positiv beeinflusst.

Du brauchst keine ultimativen Fortschritte und außergewöhnliche Ergebnisse, um mehr Selbstvertrauen und Selbstbewusstsein gewinnen zu können. Sondern nur den anfänglichen Mut, Dinge anzugehen.

Lass mich dir von zwei sehr persönlichen Beispielen erzählen, die dir zeigen werden, welche kraftvollen und positiven Auswirkungen ein growth-mindset haben können.

Beispiel 1: Sport, Bewegung, Abnehmen

Wenn du mir bereits länger folgst, ist es nichts Neues für dich, dass eine meiner Baustellen meine gesunde Lebensweise ist. Ich habe durch die Jahre der Selbstständigkeit viel Gewicht zugenommen, das ich nun wieder abnehmen will. Es fällt mir aber schwer, mich zu regelmäßiger sportlicher Betätigung aufzuraffen. Natürlich habe ich mir lange Zeit eingeredet, dass ich unsportlich bin und dass das nichts für mich ist.

Da ich aber weiß, wie wichtig all dies für meine Gesundheit ist, versuche ich es immer wieder. Aktuell ist es SWEAT, eine Fitness-App von Kayla Itsines. Motiviert habe ich mit dem Startprogramm losgelegt – 28 Minuten Beintraining. Ich hatte einen Tag später den Muskelkater des Todes. Von gefühlt nichts.

Denn unter uns gesagt: Es war der Precourse und wirklich herausfordernd kam es mir von außen betrachtet nicht vor.

Im fixed mindset würde ich mich fertig machen und mir sagen: „Wie lächerlich war denn das. Das wird nie was – einmal unsportlich, immer unsportlich. Du bist halt unfit und selbst schuld daran.“

Im growth mindset, in dem ich seit längerer Zeit unterwegs bin, sage ich mir: „Okay. Ich starte hier. Auch wenn ich es mir anders wünschen würde. Von hier geht es weiter. Es ist besser, als nichts zu tun. Ich bleibe dran und gehe Schritt für Schritt und schaue, was passiert.“

Und siehe da: wenige Tage später merke ich, wie ich 50 Jumping Jacks hinkriege und wie auch das Seilspringen besser klappt.

Viel wichtiger war aber, dass ich die ganze Zeit freundlich mit mir selbst geblieben bin, akzeptiert habe, wo ich stehe und trotzdem guten Mutes weiter gegangen bin – und zwar ganz in meinem eigenen Tempo!

Mein Ziel ist es jetzt gerade nicht, in Zeit x so und so viel abzunehmen, sondern mein Entwicklungsziel ist es, die Freude an der Bewegung zurückzugewinnen und mich Stück für Stück bei ganz bestimmten Übungen zu verbessern.

Glaube mir, es ist total egal, wie schnell du voran gehst – Hauptsache du gehst los und weiter!

Beispiel 2: Watercolor & Handlettering

Obwohl ich alles Kreative schon immer total mag, gab es eine lange Zeit, in der ich von mir dachte, ich sei total unkreativ. Das betraf vor allem Handletterings und Watercolor-Art. Beides fasziniert mich seit ich selbst ein Bullet Journal führe. Wenn ich die tollen Entwürfe der anderen sah, dachte ich, dass ich das niemals hinkriegen würde. Dass ich untalentiert bin, weder zeichnen noch malen kann und dass das doch alles hässlich aussieht, was ich fabriziere.

Früher habe ich angefangen und natürlich war es am Anfang noch nicht gut. Kein Meister ist je vom Himmel gefallen. Heute – im growth mindset – geht es mir darum, neugierig Dinge auszuprobieren, mich inspirieren zu lassen, zu experimentieren und schaue, was entsteht. Wenn ein Lettering nicht gut wird, schaue ich bei anderen, wie die das machen, um aus meinem Fehler zu lernen. Ich suche mir Schritt für Schritt-Anleitungen und mein Ziel ist es aktuell nicht, ein schönes Bild zu malen, sondern mir am Tag überhaupt Zeit zu nehmen, um die Farben rauszuholen.

Das growth mindset entwickeln – mit einem Zauberwort

Die Veränderung eines fixed mindset in ein growth mindset passiert nicht über Nacht. Aber es gibt ein Zauberwort, das dir auf deiner Reise hilft. Es ist das Wörtchen „noch“.

Anstelle dir zu sagen: „ich kann das nicht!“, sage dir „ich kann das NOCH nicht.“

Du merkst, wie der Satz gleich eine ganz andere Qualität bekommt, richtig?

Dieses Wörtchen ist mein erster Tipp an dich, wenn du auch ein growth mindset entwickeln willst. Mein zweiter Tipp ist eine großartige Reflexions-Übung, die ich bei Daniela Blickhan kennen gelernt habe.

Übung: Schieberegler zum Transformieren Deiner Denkweise

Erfahrung 1: „Misserfolg“

Erinnere dich an ein Ereignis, einen Umstand bzw. eine Erfahrung, die du als Misserfolg einstufst und in der du eher im fixed mindset gedacht hast. Zücke Papier und Stift und finde eine für dich passende Überschrift oder Benennung.

Tauche noch einmal in die Situation ein und frage dich (schreibe deine Antworten auf):

  • Was würde sich ändern, wenn du die gleiche Erfahrung mit einem growth mindset betrachten würdest?
  • Welche neuen Möglichkeiten kannst du erkennen?
  • Welche zusätzlichen Optionen ergeben sich, wenn du dir vorstellst, es gäbe einen Schieberegler, mit dem du zwischen growth und fixed mindset kleine Abstufungen einstellen könntest?
  • Wie ist es, diese Situation im Rückblick anders einzustufen, welche Möglichkeiten öffnen sich dadurch, welche neuen Verhaltensweisen erkennst du?
  • Was bedeutet das für deinen Selbstwert?
Erfahrung 2: „Erfolg“

Denk nun an eine Erfahrung, in der du bereits im growth mindset gedacht hast und schreib auch sie auf.

Betrachte auch diese Situation im Rückblick und frage dich:

  • Welchen Nutzen hatte es, dass du diese Erfahrung mit einem growth mindset betrachtet hast?
  • Was war dir dadurch möglich? Wie hast du dadurch gedacht und dich verhalten? Welche Konsequenzen hatte das?
  • Was bedeutet das für deinen Selbstwert?

 

Ich bin sehr neugierig und gespannt, was du zu diesem Artikel meinst! Meines Erachtens nach ist die growth- bzw. fixed-mindset Geschichte ein unglaublicher Entwicklungsbooster in Richtung Selbstakzeptanz, Selbstvertrauen, Lebensfreude und Erfolg.

Schreib mir unbedingt, wo du diesbezüglich gerade stehst und welche Erkenntnisse du während des Lesens und auch während der Schieberegler-Übung hattest!

 

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