Anleitung zum Glücklichsein: 12 wissenschaftlich bestätigte Herangehensweisen

Nicht nur du bist auf der ständigen Suche nach dem Glück. Auch zahlreiche Professoren, Doktoren und Wissenschaftler zerbrechen sich den Kopf über die Frage aller Fragen:  Was ist sie, die Strategie, die Gebrauchsanweisung, die uns dauerhaftes Glücklichsein garantiert? In unzähligen Studien versuchen die Glückexperten, die Formel für ein erfülltes und glückliches Lebens zu lösen. Dabei hat sich schnell gezeigt, dass es DIE Anleitung zum Glücklich sein nicht gibt. Trotzdem sind die Forscher vielen nützlichen Herangehensweisen auf die Spur gekommen, um sich dem Glück zu nähern. Ich habe für dich Nachforschungen zu den interessantesten Glücksuntersuchungen und Erkenntnissen betrieben. Herausgekommen sind dabei 12 wissenschaftlich bestätigte Glücksstrategien, die du auch für dich und dein Leben nutzen kannst.

Glücksstrategie Nummer 1: Beschäftige dich, hetze dich jedoch nicht ab

Ich gebe zu, es klingt auf den ersten Blick vielleicht ein wenig paradox, wenn ich dir sage, dass beschäftigte Menschen mehr Glück empfinden als Menschen mit sehr viel Freizeit. Aber genau das konnten viele Forscher nachweisen – wie unter anderem der Soziologe John Robinson der University of Maryland. Seit den 1960er Jahren geht er der Frage nach, wie Menschen ihre Zeit verbringen und in einer seiner letzten Studien (2013) untersuchte er den Zusammenhang mit Glück. Dabei hat er herausgefunden, dass die glücklichsten Menschen diejenigen sind, die sich nur sehr selten gehetzt fühlen, gleichzeitig aber jedoch auch immer etwas zu tun haben.

Obwohl du dir mit Sicherheit des Öfteren mehr davon wünscht, wirkt sich ein Zu viel an freier Zeit scheinbar negativ auf dein Wohlbefinden aus. Vor allem die Art von freier Zeit, mit der du nichts anzufangen weißt, macht dich eher unglücklich.

Robinson selbst erklärt dieses Ergebnis mit der Antwort auf die Frage, wie du dein Leben insgesamt im Griff hast. Er sagt:

„Wenn du dich nicht abgehetzt fühlst, heißt das, dass du ein Gefühl von Kontrolle über dein Leben hast. Fühlst du dich dagegen gehetzt, bedeutet das grundsätzlich, dass Druck von außen dein Wohlbefinden beeinflusst. Das gleiche gilt für zur Verfügung stehende Zeit, mit der du nichts anfangen kannst. Wenn du dein Leben so planst, dass du es unter Kontrolle hast, und nicht darauf wartest, dass etwas passiert, führt das zu einem erheblichen Sprung in deiner persönlichen Zufriedenheit.“

Danach bist du also am glücklichsten, wenn du relativ genau weißt, was du mit der Zeit, die dir zu Verfügung steht, anfangen willst. Wenn vor dir also ein vollkommen freies Wochenende liegt, überlege dir genau, mit wem und was du es verbringen willst. Ich verspreche dir, du wirst dich danach besser fühlen, als wenn du beide Tage einfach nur zehn Stunden auf dem Sofa vor dem Fernseher herumlungerst (um mal das Extrem anzuführen).

Wichtig ist auf der anderen Seite aber auch, dass du dich von deinen Verpflichtungen nicht gehetzt fühlst. Beschäftigt und aktiv zu sein heißt nicht, dass du jede Minute deiner Zeit nutzen sollst, um deine To-Do-Listen abzuarbeiten. Denn sobald du dich dauerhaft überfordert fühlst, verlierst du das Gefühl, selbst die Kontrolle über dein Leben zu haben: Du meinst, nicht mehr selbstbestimmt, sondern vielmehr fremdbestimmt handeln zu müssen. Und dies bedeutet Stress und macht dich unglücklich. Es gilt also die richtige Balance zu finden.

Glücksstrategie Nummer 2: Schaffe Flow-Erfahrungen

Kennst du das Gefühl, ganz in einer Aktivität aufzugehen? Und dabei dich selbst zu vergessen, während die Zeit wie im Fluge an dir vorbeizuziehen scheint? Der bekannte Glücksforscher Mihály Csikszentmihályi nannte diesen äußerst gesunden und glücksbringenden Zustand der extremen Vertiefung ins Hier und Jetzt „Flow“. Es gibt dabei nicht DIE Tätigkeit, bei der jeder eine derartige Flow-Erfahrung macht. Vielmehr ist dies von Mensch zu Mensch unterschiedlich und eng damit verknüpft, was dir Spaß macht und was du gerne tust. Während die einen es lieben zu kochen und dabei alles Belastende abschütteln können, sind andere beim Tanzen oder Malen völlig versunken und vergessen Raum und Zeit. Auf jeden Fall lassen Flow-Erlebnisse Glücksgefühle aufleben und steigern dein Wohlbefinden.

Eine wichtige Voraussetzung, um solch eine Flow-Erfahrung zu erleben, ist es, dass du lernst, dich voll und ganz auf das einzulassen, was du gerade tust, indem du deine Aufmerksamkeit steuerst und beherrscht. Und dass die Anforderung, die diese Tätigkeit an dich stellt, zu deinen Fähigkeiten passt.

Ich selbst komme beispielsweise in den Flow, wenn ich an meinem Bullet Journal herum male. Vor allem dann, wenn ich die Monatsübersichten gestalte und dabei ein Bild, das mich inspiriert hat, frei abzeichnen kann. Meine Malkünste sind bisher so beschränkt, dass ich garantiert nicht in den Flow käme, wenn ich eine solche Vorlage nicht hätte :-). Begib dich also auf die Suche nach deinen eigenen, ganz persönlichen Flow-Erlebnissen. Vielleicht fallen dir auch direkt entsprechende Tätigkeiten ein? Falls nicht, ist jetzt ein guter Zeitpunkt, herauszufinden, wie und wo du Flow-Momente kreieren und öfter aufleben lassen kannst.

Glücksstrategie Nummer 3: Bewege dich

Eigentlich ist es ja keine große Überraschung und längst kein Geheimnis mehr, dass Sport und Bewegung dein Wohlbefinden positiv beeinflussen und dadurch dein Glück erheblich steigern.

Dazu gibt es inzwischen so viele Studien, dass man sie eigentlich gar nicht mehr alle lesen kann. Wenn Du schon regelmäßig Sport treibst, muss ich dich davon mit Sicherheit nicht überzeugen. Weiter so :-). Falls du jedoch zu den Sportmuffeln gehörst, kannst du dir diese Glücksstrategie hier zu Herzen nehmen. Wenn deine letzte Trainingseinheit schon etwas länger her ist, oder du generell eher der Couch-Potato-Typ bist, hab ich hier gute Neuigkeiten für dich: Um den größten Nutzen für dein Wohlbefinden und Deine Gesundheit zu erzielen, musst du in Zukunft nicht zwei Stunden am Tag Sport treiben. Die Couch ist also ab jetzt nicht gänzlich gestrichen. Es reicht vielmehr schon eine sehr kurze Einheit von maximal 20 Minuten. Gretchen Reynolds hat ein ganzes Buch darüber geschrieben mit dem Titel The First 20 Minutes: The Surprising Science That Reveals How We Can Exercise Better, Train Smarter, Live Longer.

Und diese Trainingseinheiten müssen noch nicht mal jeden Tag sein. Wenn du bereits 1-2 Mal die Woche ein kurzes, intensives Work-Out einlegst, steigert das deine Zufriedenheit erheblich (Ich rede hier über den psychologischen Effekt).

Eine Woche hat 168 Stunden. Es liegt an dir: Denkst du, du kannst dir davon eine Stunde Sport gönnen, damit du die restlichen 167 Stunden noch intensiver genießen kannst? Warum nicht jetzt gleich für 20 Minuten einen schnellen Spaziergang machen?

Und noch ein letzter Grund, direkt loszulegen: Wenn du lange keinen Sport mehr getrieben hast, bringen dir die ersten Trainingseinheiten am meisten Glück. Wieso? Mark McGovern hat herausgefunden, dass zu Beginn weniger Glückhormone ausreichen, damit du dich richtig gut fühlst. Worauf wartest du also noch?

Glücksstrategie Nummer 4: Investiere in soziale Beziehungen

Wir Menschen sind soziale Wesen. Gute Freundschaften und zwischenmenschliche Beziehungen sind eine der wichtigsten Voraussetzungen für dein langfristig glückliches und erfülltes Leben! Auch dies wurde bereits von zahlreichen Wissenschaftlern, wie beispielsweise von Meliks Demir & Metin Özdemir (2010) bestätigt.

Dabei geht es nicht darum, dass du möglichst viele „Freunde“ bei Facebook hast. Viel entscheidender ist die Qualität der wenigen engen Beziehungen zu den 3-4 wichtigsten Menschen in deinem Leben.

Mit einer qualitativen Beziehung meine ich eine, die geprägt ist von gegenseitiger Unterstützung und Verständnis, von dem gemeinsamen Erleben schöner Momente, von Spaß, von Geben und Nehmen, von Vertrauen und Rückhalt. Das sind diese Menschen, die du zu jeder Zeit anrufen kannst, wenn du ein Problem hast. Leider pflegst du diese Beziehungen wie viele andere Menschen auch wahrscheinlich am wenigsten, weil ständig irgendetwas anderes erledigt werden muss. Für dich bedeutet es allerdings, dass du die Beziehung zu deiner Familie und deinen engsten Freunden besonders pflegen solltest. Es ist eine Investition die sich für dich doppelt auszahlt.

Plane doch für heute oder einen der beiden kommenden Tage ein Treffen mit Jemandem, der dir besonders wichtig ist, aber im Alltag zu kurz kommt. Oder ruf an oder schick eine liebe SMS.

Glücksstrategie Nummer 5: Setze dir ehrgeizige Ziele

Viele Studien, wie beispielsweise eine von Ian McGregor der University of Waterloo und seinem Kollegen Brian R. Little (1998) von der Carleton University,  bestätigen, dass von dir selbst gewählte Ziele dich nicht nur glücklicher machen, sondern darüber hinaus noch negative Gefühle wie Ängste und Depressionen fernhalten. Ziele helfen dir also nicht nur dabei, erfolgreicher zu werden, sie sind ein wichtiger Glücksfaktor.

Sicherlich kennst du das Gefühl, unzufrieden ins Bett zu gehen, wenn du an einem Tag einmal überhaupt nichts Produktives auf die Reihe gekriegt hast. Ohne klare Ziele wird so etwas häufiger vorkommen; du verlierst dich dann nämlich schnell in unwichtigen Dingen und Nebensächlichkeiten. Du irrst quasi im wahrsten Sinne des Wortes ziellos umher, was dich langfristig unglücklich macht.

Konzentrierst du dich dagegen regelmäßig auf Vorhaben, die für dich selbst persönliche Bedeutung haben, gibst du deinem Leben eine sinngebende Richtung.

An dieser Stelle ist es wichtig, dass du dir darüber Gedanken machst, wie hoch du dir deine eigenen Ziele setzen solltest. Rein theoretisch wäre es logisch, dir möglichst niedrige Ziele zu setzen, damit du nicht daran scheiterst, sondern diese schnellstmöglich erreichst (= mehr Glück?). Entgegen dieser Erwartung haben Forscher allerdings herausgefunden, dass es ehrgeizige Ziele sind, die dich langfristig glücklicher machen. Sie begründen das damit, dass du – wenn du ehrlich zu dir selbst bist- ziemlich genau weißt, ob dich ein Ziel wirklich herausgefordert hat. Falls nicht und du deutlich unter deinen Möglichkeiten liegst, erhöht sich deine Unzufriedenheit sogar. Dich selbst mit anspruchslosen Zielen auszutricksen, wird also nicht funktionieren 😉

Deshalb ist es am besten, dir solche Ziele zu setzen, dass du dich anstrengen musst, um sie zu erreichen. Denn dann wirst du wirklich stolz auf dich und zufrieden mit deiner Leistung sein, wenn du die Herausforderung gemeistert hast.

Glücksstrategie Nummer 6: Lerne etwas Neues

Immer wenn du etwas Neues lernen willst, musst du deine Komfortzone verlassen und wirst höchstwahrscheinlich anfangs den einen oder anderen Fehler machen. Du gibst mir vermutlich Recht, dass du dich im Moment des Scheiterns nicht unbedingt glücklich fühlen wirst. Wieso sage ich dir trotzdem, dass es dir nicht gut tut, alle Wagnisse des Lebens zu vermeiden? In einer sehr interessanten Studie hat Ryan Howell (2011), Professor an der Universität in San Francisco, folgendes herausgefunden:

„Obwohl wir bei den Studienteilnehmern im Moment des Lernens einen negativen Effekt [für ihr Glück] feststellen konnten, haben sie später berichtet, dass sie genau dieses Lernen glücklich und zufrieden gemacht hat, wenn sie den Tag als Ganzes betrachtet haben.“

Diese Aussage bedeutet nichts anderes, als dass du dich beim Lernen neuer Fähigkeiten anfangs zwar gestresst und unwohl fühlst, langfristig jedoch durch deine steigenden Kompetenzen an Zufriedenheit gewinnst.
Erinnerst du dich noch an deine ersten Fahrstunden? Oder die ersten Tage im neuen Job? All diese Dinge haben dich zunächst sicherlich sehr stark herausgefordert. Doch die Gewissheit, knifflige Situationen gemeistert und dich selbst verbessert zu haben, gibt dir nachträglich viel mehr Glücksgefühle als ein bequemer Tag wie jeder andere.

In der heutigen schnelllebigen und dynamischen Welt wirst du quasi täglich mit Unvorhersehbarem und Unerwartetem konfrontiert – ob du willst oder nicht. Veränderungen sind ein Hauptmerkmal der gegenwärtigen Zeit. Da ist es nur naheliegend, dass sich deine Fähigkeit oder eben auch Unfähigkeit damit umzugehen maßgeblich auf dein Wohlbefinden auswirkt. Todd Kashdan (2010), Psychologieprofessor an der George Mason Universität in Florida und gleichzeitig ein bekannter Glücksforscher in Amerika, hat in einer seiner Studien die fundamentale Bedeutung von mentaler Flexibilität für persönliche Gesundheit und Glück belegt. Nach Kashdan sind es also die in jedem von uns vorhandene Fähigkeit, auf Neues und Unerwartetes flexibel zu reagieren, die uns Glücksgefühle ermöglichen und sie ständig produzieren. Diejenigen, denen es am besten gelingt, von diesen Fähigkeiten Gebrauch zu machen, sich also mental an unerwartete Gegebenheiten anzupassen und adäquat auf sie zu reagieren, sind langfristig und dauerhaft am zufriedensten. Voraussetzung hierfür ist Kashdan zufolge die Akzeptanz, dass Veränderungen in der heutigen Zeit die Regel, und nicht die Ausnahme sind.

Da dir Veränderungen also so oder so bevorstehen – warum dich nicht bestmöglich darauf vorbereiten? Wage den Sprung aus deiner Komfortzone und probiere öfter mal was Neues aus. Fordere dich heraus und wachse über dich hinaus. Du wirst am Ende merken, dass dir diese neuen Erfahrungen nicht nur unvergessliche Erlebnisse schenken, sondern einen wahrlichen Glücksboost verpassen werden.

Glücksstrategie Nummer 7: Halt dich in der Natur auf

Zeit draußen, in der freien Natur, hellt deine Stimmung auf, verbessert dein Arbeitsgedächtnis und vermindert dein Stressempfinden. Georige MacKerron konnte beispielsweise in seiner Studie „Happiness is greater in natural environments“ nachweisen, dass Menschen in natürlicher, ländlicher grüner Umgebung signifikant glücklicher und zufriedener waren als solche, die sich in städtischen Gebieten aufhielten. Auch John Zelenski und Elizabeth Nisbet (2014) belegten die beruhigende und angenehme Wirkung der Natur. Verlasse also öfter mal deine vertrauten vier Wände und begib dich auf Entdeckungsreise nach draußen. Du wirst taunen, welch wundervollen Orte und Eindrücke die Natur für dich bereit hält.

Glücksstrategie Nummer 8: Sei dankbar

Du hast Stress mit dem Partner, Stress bei der Arbeit oder sogar beides und noch dazu bist du erkältet. Schon kannst du dich über nichts mehr freuen und tendierst dazu, alles nur noch Schwarz zu sehen. Ich kann dich beruhigen – das geht anderen auch so. Grund dafür ist, dass wir Menschen dazu neigen, negative Dinge stärker wahrzunehmen. Und Dinge sehr schnell für selbstverständlich zu nehmen. Leider gelingt es dabei nicht immer, dankbar zu sein für das, was du hast – sei es Familie, Partner, Freunde, Gesundheit, Job. Zahlreiche Studien zeigen jedoch, dass es sich definitiv lohnt, sich verstärkt auf positive Dinge zu konzentrieren und Dankbarkeitsgedanken und -gefühle bewusst und verstärkt zu generieren. So bestätigen zum Beispiel Robert Emmons (2003) von der University of California und Michael McCullough von der University of Miami, dass dich ein wenig mehr Dankbarkeit nicht nur glücklicher, sondern auch zuversichtlicher und tatkräftiger macht. Dabei reicht es schon aus, einmal in der Woche 5 Dinge aufzuschreiben, für die du dankbar bist. Wie wäre es also, wenn du das mal ausprobierst? Suche dir deinen Lieblings-Wochentag aus und nimm dir vor, vor dem Schlafen gehen in fünf kurzen Sätzen zu notieren, für was du dankbar bist.

Glücksstrategie Nummer 9: Take a nap

Wido Oerlemans, Arnold Bakker und Ruut Veenhoven (2011), drei Forscher von der Universität in Rotterdam, konnten in einer ihrer Studien bestätigen, dass Menschen, die den ganzen Tag über wach sind, anfälliger sind für negative Emotionen. Menschen, die sich hingegen nachmittags ein sogenanntes, sehr beliebtes nap gönnen, sind weniger empfänglich für negative Empfindungen; gleichzeitig sprechen sie schneller und stärker auf positive an. Verantwortlich dafür ist den Forschern zufolge der präfrontale Kortex. Dieser scheint im Laufe des Tages zu ermüden und ist deshalb weniger in der Lage, die emotionale Reaktivität des Subkortex entsprechend zu regulieren.

Falls dir das sogenannte Powernapping noch nicht bekannt sein sollte: Es ist prinzipiell nichts anderes als ein kurzer Mittagsschlaf. Wichtig ist lediglich, dass du nicht länger als 30 Minuten schlummerst. Da es nun wissenschaftlich eindeutig bestätigt werden kann, dass kurze Nickerchen die Geheimwaffe gegen das Nachmittags-Leistungstief sind, ist es an der Zeit, dass du dir eine halbe Stunde in deinem Terminkalender für ein Powernap reservierst. Zumindest ab und an!

Glücksstrategie Nummer 10:  Investiere in dein Wohlbefinden und sorge für dich selbst

„Niemanden behandeln wir so schlecht wie uns selbst.“

Zu diesem überraschenden und gleichzeitig erschreckenden Schluss kommt die amerikanische Psychologin Kristin Neff (2014) in einer ihrer vielen Studien über Selbstmitgefühl. Und das, obwohl Forschungsergebnisse aus dem Wissenschaftsgebiet rund um Selbstfürsorge eine eindeutige Sprache sprechen und auf die vielen positiven Auswirkungen einer besseren und ausgiebigeren Self Care hinweisen: Menschen, die gut für sich selbst sorgen, erholen sich schneller von Lebenskrisen, neigen weniger zu Ängsten, Depressionen und Burnout, haben mehr Selbstvertrauen und sind rundum sorgloser und glücklicher.

Es ist also offenbar erst eine gesunde Portion Selbstliebe, die dir die nötige Gelassenheit und innere Stärke für die Bewältigung deines durchgetakteten Alltags verleiht. Sei also gut zu dir, denk an dich, investiere in dein Wohlbefinden! Und fange am besten direkt damit an. Wenn du einen Fehler machst, bestrafe dich nicht selbst mit Gedanken und Selbstvorwürfen – damit verschlimmerst du nur deine emotionale Situation. Was du in diesen Momenten brauchst, ist Mitgefühl. Sei dir selbst der beste Freund! Rede mit dir so, wie du es mit deinem besten Freund tun würdest. Frage dich nicht nur, was andere glücklich macht, sondern auch, womit du dir eine Freude machen könntest. Und zu guter Letzt: Mache nicht den Fehler, und verwechsle Selbstfürsorge mit Egoismus. Du musst kein schlechtes Gewissen haben, wenn du dir Zeit für dich nimmst und dich um dich selbst kümmerst. Versuche dir bewusst zu machen, dass das, was du dir Gutes tust, auch deinem Umfeld zugutekommt. Denn du wirst sehen, dass du dadurch besser gelaunt, ausgeglichener und glücklicher sein wirst.

Glücksstrategie Nummer 11: Denke auch an andere

Wenn du deine eigenen Glücksgefühle steigern willst, dann denke auch an andere. Denn andere Menschen zu unterstützen und für sie da zu sein, wird in vielen Untersuchungen mit erhöhtem subjektivem Wohlbefinden in Verbindung gebracht. Konkret fanden Elizabeth Dunn, Lara Aknin und Michael Nortin (2008) von der Columbia University heraus, dass du glücklicher bist, wenn du dein Geld (auch) für andere Menschen ausgibst. Die Erklärung dahinter liegt wahrscheinlich darin, dass positive Beziehungen zu anderen Menschen deinem Leben unter anderem Sinn geben. Wilhelm Schmid schreibt dazu: „Jedes Gespräch knüpft einen Faden des Zusammenhangs und verkörpert Sinn schon durch sein bloßes Geschehen.“  Bist du für einen Anderen da, unterstützt und hilfst ihm in guten oder schlechten Zeiten, schafft das automatisch derartig sinngebende Fäden und Verbindungen. Solche Lebensaufgaben und Bestimmungen, die dich nach etwas größerem Streben lassen, sind ganz zentral für dein Glück. Zu diesem Schluss kommt die Truppe rund um Patrick Hill (2014), leitender Forscher von der Carleton Universität in Kanada.

„Unsere Befunde zeigen, dass eine Richtung im Leben und das Setzen von übergeordneten Zielen Ihnen tatsächlich helfen kann, länger zu leben…egal wann Sie Ihr Ziel ‚finden‘.“

Solltest du also das nächste Mal im eigenen Unglück versinken, versuche doch mal an wichtige Menschen in deinem Leben zu denken und überlege, wie du ihnen ganz selbstlos eine Freude bereiten könntest. Oder frage dich, ob es Menschen in deinem Leben gibt, mit denen du gern mehr zu tun hättest. Dann wäre es nämlich sinnvoll, einen Schritt auf sie zuzugehen ;-).

Glücksstrategie Nummer 12: Meditiere und sei achtsam

Im Zusammenhang mit Glück stößt man immer wieder auf das Thema Achtsamkeit. Und das völlig zurecht, wie viele Untersuchungen eindeutig nachweisen konnten. Kirk Warren Brow, Richard M. Ryan und J. David Creswell (2007) haben in ihrer Studie gezeigt, dass achtsame Menschen sowohl ein erhöhtes Wohlbefinden aufweisen als auch an weniger Depressionen, Ängsten und Stress leiden. Achtsamkeit scheint dabei vor allem deine Konzentration zu verbessern (insbesondere im Hinblick auf dich selbst und deine Bedürfnisse!), deinen Herzschlag, deinen Blutdruck und dein Immunsystem positiv zu beeinflussen. Auch bei der Pflege von sozialen Beziehungen (siehe Glücksstrategie Nummer 4 und 11) kann dir Achtsamkeit helfen, indem du besser zuhörst und im gesamten Umgang mit anderen aufmerksamer und präsenter bist.

Eine spezielle Strategie, um Achtsamkeit aktiv aufzubauen, ist die Meditation. Auch hier ist es längst wissenschaftlich belegt, dass sich Meditieren positiv auf deinen Körper und deine Seele auswirkt. Meditieren setzt dein generelles Stressniveau eine Stufe nach unten, da dein Körper darauf trainiert wird, zwischen tatsächlich begründeter und fälschlicher Alarmbereitschaft zu unterscheiden. Eine „Stressantwort“ wird lediglich bei objektiv vorhandenem Bedrohungsreiz von deinem Körper in Gang gesetzt. Deswegen haben Menschen, die regelmäßig meditieren auch mehr Selbstbewusstheit, sind ausgeglichener und verspüren eine größere innere Ruhe.

Meditierst du regelmäßig und dauerhaft, finden diese Eigenschaften auch langfristig Einzug in deine Gehirnstrukturen: Durch das Phänomen der Neuroplastizität, welches die Veränderbarkeit deines Gehirns meint, kannst du dir derartige Grundhaltungen zur Gewohnheit und einem neuen Lebensstil machen. In Ihrem Buch „Real happiness: The power of meditation“ beschreibt Sharon Salzberg (2010) die positiven Auswirkungen rund ums Meditieren.

Das waren sie – 12 potentielle Wege zum Glück, die sich in wissenschaftlichen Studien als besonders wirkungsvoll erwiesen haben. Am Anfang des Artikels habe ich dir gesagt, dass es nicht DIE eine, universelle Glücksanleitung geben kann – dementsprechend sind auch nicht alle hier aufgeführten Herangehensweisen für jede Person gleich hilfreich und effektiv. Und die Aufzählung der 12 Strategien ist auch keineswegs erschöpfend. Viele Wege führen nach Rom :-). Es liegt also an dir zu entscheiden: Welche der Glücksstrategien haben dich am meisten angesprochen? Wenn du dir darüber im Klaren bist, heißt es Probieren geht über Studieren. Versuche in den nächsten 3 Wochen 2-3 deiner Lieblingsstrategien umzusetzen und experimentiere ein wenig damit herum. Schreib mir unbedingt deine Meinung und deine Erfahrungen. Und kommentiere auch gern, wenn du eine interessante Studie gelesen hast, die eine Erwähnung verdient. Damit schaffen wir uns gemeinsam eine Bibliothek an bestätigten Glücksstrategien, auf die wir alle immer wieder zurückgreifen können!

Du willst in den Studien lesen? Kannst du machen. Das sind die Quellen:

Robinson, John P (2013): Americans Less Rushed But No Happier: 1965–2010 Trends in Subjective Time and Happiness. Social Indicators Research, Vol. 113, No. 3, 1091-1104

Demir, Meliks & Özdemir, Metin (2010): Friendship, Need Satisfaction and Happiness. Journal of Happiness Studies, 2010, Vol. 11, 243-259

McGregor, Ian & Little, Brian, R. (1998):  Personal projects, happiness, and meaning. Journal of Personality and Social Psychology, Vol. 74, No. 2, 494-512

Howell, Ryan T; Chenot, David et al. (2011):Momentary Happiness: The Role of Psychological Need Satisfaction. Journal of Happiness Studies, Vol. 12, No. 1, 1-15

Zelenski, John M.; Elizabeth K. Nisbet (2014):  Happiness and Feeling Connected The Distinct Role of Nature Relatedness. Environment and Behavior.

Emmons, Robert A.; Michael E. McCullough (2003). Counting blessings versus burdens: an experimental investigation of gratitude and subjective well-being in daily life. Journal of Personality and Social Psychology

Oerlemans, Wido GM, Arnold B. Bakker, and Ruut Veenhoven (2011): Finding the key to happy aging: A day reconstruction study of happiness.” The Journals of Gerontology Series B: Psychological Sciences and Social Sciences

Dunn, Elizabeth W., Lara B. Aknin, and Michael I. Norton (2008). Spending money on others promotes happiness. Science

Todd B. Kashdan (2010): Psychological Flexibility as a Fundamental Aspect of Health. Clinical Psychology Review.

Brown, Kirk W.; Ryan, Richard M., Creswell, David J. (2007):  Mindfulness: Theoretical Foundations and Evidence for its Salutary Effects. Psychological Inquiry, Vol. 18, No. 4, 211–237.

Hill, Patrick L; Turiano, Nicholas A. (2014): Purpose in Life as a Predictor of Mortality Across Adulthood. Psychological Science, Vol. 25(7) 1482–1486

Neff, K. D., & Dahm, K. A. (2014). Self-Compassion: What it is, what it does, and how it relates to mindfulness (pp. 121-140). In M. Robinson, B. Meier &  B. Ostafin (Hrsg.) Mindfulness and Self-Regulation. New York: Springer.

 

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