Lernen_Verzeihen_zu_können

„Wie du mir, so ich dir“ denken leider viele streitlustig in sich hineinlächelnd und überlegen im nächsten Schritt, wie sie es ihrem Widersacher so richtig heimzahlen können. Wenn du zu meiner eifrigen Leserschaft gehörst, dann tickst du vermutlich anders als solche rachsüchtigen Menschen. Du hast wahrscheinlich selbst schon gemerkt, dass es dich überhaupt nicht weiterbringt, dich von deinen Rachegelüsten leiten zu lassen. Denn durch Racheakte sorgst du nicht für Vergeltung, sondern hältst dich in Wahrheit von einem glücklichen und erfüllten Leben ab und schadest dir damit selbst.

Du weißt, dass es dir viel besser gehen würde, wenn du es schaffen würdest, loszulassen, nachzugeben und anderen einfach mal verzeihen zu können. Oder auch dir selbst. Da ich das Gefühl habe, dass es ganz vielen so geht und du damit nicht alleine bist, habe ich mir Gedanken gemacht, wie ich dich dabei unterstützen kann. Und ich freue mich sehr, diese Gedanken mit dir zu teilen.

Rache folgt eigenen Regeln

Nicht umsonst liefert das Gefühl der Rache den Nährboden für berühmte gesellschaftliche Untergänge oder auch Shakespeare’sche Tragödien von Hamlet über den Grafen von Monte Christo. Und sie waren und sind deshalb so erfolgreich, weil sie an einem menschlichen Bedürfnis andocken, was du aus Kindertagen kennst.
Was hast du im Sandkasten getan, wenn dich dein Spielkamerad geschubst hat? Ich wette, du hast ihm ebenfalls einen Schubs gegeben.

Als Erwachsener verhältst du dich häufig genauso. Damit meine ich natürlich nicht, dass du andere wie wild in der Gegend herum schubst. Aber trotzdem ist da der Wunsch nach einer Gegenreaktion, wenn du dich ungerecht behandelt fühlst.

Und dabei geht es nicht im objektiven Sinne um Unrecht. Ausschlaggebend dafür, ob Rachegelüste in dir aufkeimen, ist deine subjektive Wahrnehmung. DU allein musst also davon überzeugt sein, dass dich jemand anderes unfair behandelt. Wenn du beispielsweise den Eindruck hast, dass du ausgenutzt wirst. Wenn dein Chef deine Arbeit nicht würdigt oder gar einer deiner Kollegen deine Leistung als seine eigene verkauft. Schon wird dein inneres Alarmsystem in Gang gesetzt und deine emotionale Grundlage für Racheakte wächst. Enttäuschung, Empörung, Wut und/oder Ärger machen sich breit.

„Wie du mir, so ich dir“ – Gerechtigkeit und Reziprozität

Du fragst dich, wieso du solch einen starken Drang verspürst, dich zu rächen?

Hinter solch brodelnden Rachegefühlen steckt eines der wichtigsten menschlichen Bedürfnisse überhaupt: Gerechtigkeit. Du willst, dass in irgendeiner Form ein Ausgleich geschaffen wird. Wenn dich irgendjemand hintergangen hat, möchtest du, dass er sich genauso elendig fühlt wie du. Wenn dein Chef deine Leistung überhaupt nicht würdigt, willst du Worte der Anerkennung und Wertschätzung. Hinter deinen Racheabsichten steckt vielleicht der Wunsch, dass dein Schädiger ebenfalls Schaden erleidet (Reziprozität). Oft geht es dir aber vor allem darum, deinen Selbstwert zurückzugewinnen und deine verloren geglaubte Ehre wiederherzustellen.

Doch ein Blick in die Forschungslandschaft auf diesem Gebiet zeigt: Laut Studien rächst du dich hin und wieder sogar dann, wenn ausgeschlossen ist, dass es dir danach besser geht. Obwohl du also eigentlich ganz genau weißt, dass dich Racheaktionen nicht glücklicher stimmen, führst du sie trotzdem aus. Seltsam, oder? Fand ich auch – deshalb habe ich für dich nachgeforscht…

Rache ist auf den ersten Blick tatsächlich süß…

Du kennst mit Sicherheit auch den Spruch: Rache ist süß. Wie so häufig ist an solchen Redewendungen mehr dran, als du im ersten Moment glaubst. Und deshalb kann ich dich dahingehend beruhigen, dass es für deine Rachegelüste eine (neurologische) Erklärung gibt. Du bist also kein durch und durch schlechter Mensch ;-).

Die zentrale Rolle dabei spielt – wie so häufig – dein Gehirn. Bereits 2004 hat ein Wissenschaftsteam der Universität Zürich rund um den Verhaltensökonomen Ernst Fehr entdeckt, dass bei deinen Rachephantasien eine bestimmte Region in deinem Gehirn verstärkt aktiviert wird: Das Belohnungszentrum. Wenn dein Belohnungszentrum aktiv ist, erlebst du positive Gefühle und Genugtuung. Dieselben Hirnbereiche sorgen beispielsweise bei deinem Lieblingsessen oder auch beim Sex für Hochstimmung und Glücksräusche. Das heißt im Klartext: Dein Gehirn gaukelt dir nach einer Rachehandlung zunächst mal vor, dass du etwas getan hast, das dir gut tut.

Wie du dir das vorstellen kannst? Was ist dein erster Impuls, wenn dir beispielsweise ein Autofahrer die Vorfahrt genommen hat? Du A****, oder so etwas in der Art, hab ich Recht? Wenn du dann noch mitbekommst, dass die nächste Ampel  genau bei diesem Autofahrer auf rot umspringt, ist da doch ein klein bisschen Genugtuung, oder? Genau davon spreche ich. Je größer die Rachehandlung, umso schneller und heftiger steigt das „Bittersüße“ in dir auf.

….auf den zweiten aber umso bitterer

Aktuellere Studien zeigen die Schattenseiten von deinen Rache- und Vergeltungstendenzen. In einem Experiment konnte Mario Gollwitzer von der Universität Marburg gemeinsam mit Kollegen herausfinden, wann genau dir deine Racheakte zu positiveren Gefühlen verhelfen. Nämlich nur dann, wenn dein Racheopfer einsieht, dass es auch etwas falsch gemacht hat. Sprich: Sich bei dir entschuldigt und sich sein Fehlverhalten eingesteht.

In der Studie sollten die Teilnehmer zusammen mit jeweils einem ihnen bis dahin unbekannten Partner eine Aufgabe am Computer lösen. In Wahrheit war dieser Partner, der sich im Nebenzimmer befand, Teil des Forscherteams. Für jede erfolgreich gelöste Aufgabe bekamen die Studienteilnehmer Geldgutscheine, die sie mit ihrem Partner teilen sollten. Die Mehrheit der Versuchsteilnehmer kam dieser Aufforderung nach und verhielt sich fair. Die „Partner“ kassierten dagegen fast alles für sich ein. Als die Versuchsteilnehmer dann davon erfuhren, wurde ihnen die Möglichkeit gegeben, ihren angeblichen Partnern ordentlich Kohle abzuziehen. Es dürfte dich wohl nicht überraschen, dass zwei Drittel diese Chance zur Rache genutzt haben.

Anschließend sollten sie ihren Partnern eine E-Mail schreiben, in der sie ihre Rachehandlung begründen sollten. Fast ausschließlich führten die Versuchsteilnehmer dabei die Verletzung des Fairness-Gebots als Rechtfertigung an. Die Partner antworteten auf die Mail – einige gestanden ihre Schuld, andere blieben jedoch stur und uneinsichtig. Wieder andere äußerten sogar ihre Empörung über die Rache und die Anschuldigungen. Am Ende des Experiments ermittelten die Forscher die Zufriedenheit der Versuchsteilnehmer. Das Ergebnis: Die Vergeltung erzeugte nur dann ein gutes Gefühl, wenn die Opfer ihre Reue beteuerten und Verständnis für den Racheakt zeigten.

Was ich dir damit also sagen möchte: Es ist nicht die Rachehandlung an sich, die dir ein gutes Gefühl beschert. Sondern viel mehr, dass die dahinter steckende Botschaft angekommen ist. Dass der andere also anerkennt, dass er dir Unrecht getan hat.

Dies erreichst du aber im alltäglichen Leben durch Heimzahlungen nur selten. Im Gegenteil. Dadurch steigt nur die Wahrscheinlichkeit, dass sich eine nie endende Stell dir vor, du hast einem Freund dein Auto geliehen. Als du es am nächsten Tag wieder hast, entdeckst du einen Kratzer. Du bist dir ganz sicher, dass der vorher noch nicht war. Als du ihn jedoch darauf ansprichst, streitet er vehement ab, irgendetwas davon mitbekommen zu haben. Es ist also relativ unwahrscheinlich, dass er zugibt, einen Fehler gemacht zu haben. Und falls doch, wird das eher einem halbherzigen Herauswinden ähneln als tatsächlicher Aufrichtigkeit. „Es kann prinzipiell schon sein, dass da was passiert ist, als ich das Auto auf dem Parkplatz stehen hatte….“

Du überschätzt den emotionalen Nutzen von Rachehandlungen

Dies konnte der 2011 verstorbene Psychologe Kevin Carlsmith von einer Universität in New York mit seinen Kollegen in einer 2008 durchgeführten Untersuchung zeigen.

Sie ließen die Teilnehmer ein Spiel spielen, bei dem sie nur durch Kooperation Geld gewinnen konnten. Viele der Teilnehmer wirtschafteten lieber in die eigene Tasche und missbrauchten dadurch das Vertrauen ihrer Mitspieler. Von den Hintergangenen bekam nur ein Teil die Gelegenheit zur Rache. Auch hier sollten die Teilnehmer angeben, wie zufrieden sie waren. Im Vorfeld befragte man sie, welche Stimmungsveränderung sie nach der Racheaktion erwarten. Obwohl nahezu jeder Teilnehmer in der Vorher-Befragung angab, sie würden sich nach der Vergeltung besser fühlen, stellte sich in der Nachher-Befragung das Gegenteil heraus.

Wieso? Weil die Rache genau diejenigen unschönen und negativen Gefühle verlängerte, die die Rachegelüste ausgelöst hatten. Buddha hatte also wohl sehr wohl Recht, als er sagte:
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Die Rache-Ausübenden fühlten sich schlecht und grübelten weiter über ihr Verhalten nach. Die Wissenschaftler vermuten, dass die Rachehandlungen dem positiven Selbstbild als „guter Mensch“ widersprachen bzw. damit unvereinbar waren.

Was du aus dieser Studie mitnehmen kannst? Ganz einfach: Rache lohnt sich nicht! Du wirst nur zum Spielball von Vergeltungsgelüsten und selber zum Bösen verführt. Deswegen fühlst du dich schlecht, weil du eigentlich nicht auf einem solchen Niveau agieren willst.

Und auch ein anderes Argument, nämlich dein Verlangen nach Gerechtigkeit, heißt nicht zwangsläufig, dass du zu Racheaktionen greifen musst. Denn eines kann ich dir versichern: Sich nicht zu rächen ist häufig eine viel größere Strafe für die andere Person als zurückzuschlagen. Wenn du dich auf dieselbe Ebene begibst, suggerierst du damit nämlich indirekt, dass das Verhalten des anderen in Ordnung war.

Bevor du also zu unnötigen Racheaktionen greifst, die dir mittel- und langfristig nur Schaden werden, empfehle ich dir, einen anderen Weg einzuschlagen. Das Zauberwort, auf das ich hinaus will, ist verzeihen.

Was Verzeihen ist

Zunächst heißt verzeihen zu können nichts anderes, als deinen eigenen Groll und deine Bitterkeit loszulassen. Und als nächstes von deinem hohen Ross herabzusteigen: Verabschiede dich von der Versuchung, dem anderen, der einen Fehler begangen hat, (moralisch) überlegen sein zu wollen. Wenn ein guter Freund von dir beispielsweise deinen Geburtstag vergessen hat. Oder deine Freundin ein gehütetes Geheimnis weitererzählt hat. Dann bist du gekränkt, beleidigt und strafst den Übeltäter mit Gezicke oder Verachtung und gefährdest damit eure Freundschaft – eigentlich unnötig. Denn häufig sind es nur Kleinigkeiten, wegen denen du nachtragend bist und dich und andere quälst.

Was du persönlich von Verzeihen hast

Auch wenn es auf den ersten Blick vielleicht ein wenig paradox klingt und es sich anfangs wie ein „hinnehmen und aufgeben“ anfühlt – wenn du anderen verzeihen kannst, tust du damit sowohl dir als auch der anderen Person einen Gefallen.
Dir selbst, weil du Enttäuschung und Schmerz dadurch loslassen kannst. Und gleichzeitig Platz machst für positive Gedanken und Gefühle. Nur wenn du lernst zu verzeihen, wirst du ehrlich gemeinte Erleichterung spüren.

Es wird nun mal vorkommen, dass dir jemand auf den Schlips tritt oder dir weh tut – gerade auch Menschen, die dir nahe stehen. Es ist dann eben nicht damit getan, die andere Person aus deinem Leben zu streichen und nicht mehr an dich ranzulassen, nur weil sie dich verletzt hat. Du wirst dich selbst damit um unzählige schöne Momente mit der anderen Person bringen. Gerade Menschen, die dir wichtig sind, haben eine zweite Chance verdient. Auch du selbst bist vermutlich nicht fehlerfrei und auch dir kann unabsichtlich etwas passieren, was dein Gegenüber verletzt. Würdest du dir dasselbe dann nicht auch von dem anderen wünschen?

Wenn du verzeihen kannst, erhöhst du übrigens auch die Wahrscheinlichkeit, dass der andere über sein Fehlverhalten nachdenkt und es auch wirklich bereut. Und sich im nächsten Schritt vielleicht entschuldigt oder künftig anders verhält.

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Genau deshalb habe ich Tipps für dich zusammengestellt, mit der du die Kunst des Verzeihens im Handumdrehen beherrscht. Los geht’s :-).

Mit diesen 5 Tipps entkommst du deinen Rachegelüsten und lernst, verzeihen zu können

Tipp Nummer 1: Sei dir im Klaren: Verzeihen zu können ist keine Schwäche, sondern eine Stärke!

Wahrscheinlich denkst du auch instinktiv, dass Verzeihen eher ein Zeichen von Schwäche ist. Da irrst du dich jedoch gewaltig. Sogar das Gegenteil ist der Fall.

Verzeihen können ist ein Ausdruck von wahrer Stärke.

Denn es verlangt dir eine ganze Menge Mut und Kraft ab, der Tendenz zu widerstehen, zurückzuschlagen. Aber es lohnt sich. Du tust damit nämlich in erster Linie etwas für dich und nicht für den anderen. Du lässt nicht zu, dass du zum Spielball von Rachespiralen oder abhängig vom Verhalten des anderen wirst. Du entscheidest dich ganz bewusst dagegen. Verzeihen können ist ein wahrer Akt der Selbstbestimmung und Größe, auf den du unheimlich stolz sein kannst. Und der dir auf jeden Fall Glücksgefühle bescheren wird.

An dieser Stelle ist es mir wichtig, eine Sache klarzustellen: Jemand anderem zu verzeihen bedeutet nicht, dass du es in Ordnung findest, was geschehen ist oder was der andere gesagt hat. Du kannst es nach wie vor falsch, unangemessen, gemein und niederträchtig finden. Aber verzeihen können bedeutet, dass du nicht länger zulässt, dass das Verhalten von anderen dein Lebensgefühl und Wohlbefinden negativ beeinflusst. Du beschönigst durch das Verzeihen also auf keinen Fall ein Fehlverhalten. Aber es gelingt dir dadurch, einen für dich guten Umgang damit zu finden. Nämlich das, was dir angetan wurde, nicht persönlich zu nehmen. Sondern es als wichtige Lebens- und Lernerfahrung zu sehen. Die dich zwar getroffen, aber nicht umgeworfen hat.

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Tipp Nummer 2: Betrachte die Fakten und finde heraus, was es wirklich zu verzeihen gibt

Bevor du zulässt, dass dich deine Emotionen übermannen und du dir in Gedanken bereits vorstellst, wie du auf den anderen „einschlägst“, ist es durchaus hilfreich, dich selbst zu fragen: Was genau ist denn eigentlich passiert?

Versuche die Situation so gut wie möglich objektiv Revue passieren zu lassen und zu trennen: Was davon sind Fakten und Tatsachen und was eher deine eigenen Gefühle oder Gedanken?
Vielleicht fällt es dir leichter, wenn du dir eine Skala vorstellst, die diese beiden Dinge misst. Die eine den faktischen Verletzungsgrad (Ist das wirklich so wichtig für dich?), die andere deinen emotionalen (Übermannen dich deine Gefühle und überreagierst du?).

Lass mich das an einem Beispiel veranschaulichen. Angenommen du leihst einer Freundin irgendetwas aus. Deine Lieblings-DVD zum Beispiel. Als du sie wieder zurückbekommst, geht sie plötzlich nicht mehr (1 Punkt faktisch). Du bist dir aber zu 100% sicher, dass damit vorher noch alles in Ordnung war. Deine Freundin streitet allerdings ab, dass sie irgendetwas damit zu tun hat und verletzt damit euer Vertrauensverhältnis (7 Punkte emotional).

Versuche dann im nächsten Schritt herauszufinden, wieso dich das Verhalten deiner Freundin so stark verletzt. Sei dabei selbstkritisch und überlege, ob damit irgendein wunder Punkt von der getroffen wurde. Beispielsweise aufgrund irgendwelcher negativer Erfahrungen in deiner Vergangenheit. Oder funkt dir dabei vielleicht dein innerer Kritiker irgendwie rein und ist Schuld für deine heftige emotionale Reaktion?

Wenn du deinen eigenen Gefühlen und den dahinter stehenden Ursachen auf die Schliche kommst, fällt deine Reaktion auf das Verhalten anderer häufig viel weniger heftig aus ;-). Sage zu dir: Ich habe Gefühle, aber ich bin nicht meine Gefühle.

Tipp Nummer 3:  Werde aktiv und arbeite an deinen aufkommenden Emotionen

Dich in Schmerz und Enttäuschung zu suhlen, bringt dich definitiv nicht weiter! Es macht es in der Regel nur noch schlimmer. Befreie dich aus solchen Teufelskreisen. Triff eine Vereinbarung mit dir selbst, die dich zum aktiven Handeln bewegt. Sage dir: „Ich will und werde etwas unternehmen, damit ich mich besser fühle.“.

Was das konkret ist, ist dir überlassen. Am besten probierst du verschiedene Aktivitäten aus und schaust, welche für dich am wirksamsten ist. Du könntest zum Beispiel…

  • mit einem vertrauen Menschen über das Geschehene sprechen und dir den Kummer von der Seele reden.
  • dir und deinem Körper etwas Gutes tun: Nimm ein ausgiebiges Bad oder mache einen Spaziergang und nimm dir Zeit, in Ruhe über das Passierte nachzudenken.
  • dir deinen Frust und Kummer gezielt von der Seele schreiben. Beschreibe genau, was passiert ist, was so schlimm für dich daran war und wie du dich fühlst. Beim Schreiben strukturierst du nochmals deine Gedanken und gewinnst Klarheit. Du hast das Gefühl, alles auf den Punkt nach außen gebracht zu haben. Du kannst dir aussuchen, was mit dem Brief passiert. Entweder du adressierst ihn tatsächlich an die Person und hebst ihn auf. Um ihn eines Tages vielleicht demjenigen oder derjenigen wirklich einmal zu zeigen. Oder aber du wirfst den Brief weg oder verbrennst ihn. Ein derartiges symbolisches Vernichten hat für viele eine sehr befreiende Wirkung.

Tipp Nummer 4: Versuche, dich in die andere Person hineinzuversetzen

Es ist ganz normal, dass du, wenn du in irgendeiner Weise verletzt worden bist, erst einmal vor allem dich und deine eigenen Gefühle wahrnimmst. Trotzdem rate ich dir, sobald die ersten Enttäuschungs- und Ärgerwellen abgeklungen sind, die Perspektive des „Täters“ einzunehmen. Versuche, dich in den anderen hineinzuversetzen. Dich in die Situation des Gegenübers einzufühlen. Was könnte ihn bzw. sie dazu gebracht haben, sich so zu verhalten? Frage dich, ob du an seiner bzw. ihrer Stelle und mit der entsprechenden Wahrnehmung der Situation nicht eventuell genauso gehandelt hättest. Oder welches seiner Bedürfnisse verletzt worden ist, so dass er so reagiert hat.

Natürlich entschuldigt das die Tat an sich nicht. Wenn du allerdings verstehst, warum
derjenige das getan hat, fällt es dir leichter, seine Reaktion zu verstehen. Und im nächsten Schritt dann friedvoll damit abzuschließen.

Tipp Nummer 5: Schaffe Raum für Andersartigkeit und Toleranz

 Menschliche Beziehungen harmonieren und funktionieren aufgrund von Ähnlichkeiten – aber auch und aufgrund von Unterschieden und der dadurch entstehenden Vielfalt. Genau dies solltest du auch für deine persönlichen Beziehungen verinnerlichen und nutzen.

Wie?

Schaffe Räume, in denen jeder verschiedener Meinung sein und bleiben kann. In denen du den Standpunkt des anderen wirklich akzeptierst und respektierst. Und ihn insgeheim nicht doch versuchst, umzustimmen oder beleidigt bist, wenn dir jemand nicht Recht gibt.

Denn jeder konstruiert sich seine eigene Wirklichkeit und Wahrheit. Und ist genauso wie du in erster Linie der Meinung, er sei im Recht. Und der andere im Unrecht. Prüfe also zuerst, ob der andere dich tatsächlich mit seinem Verhalten verletzen wollte oder vielleicht einfach nur einen anderen Standpunkt vertritt als du. Und diesen vehement verteidigen möchte. Vielleicht hilft es dir, dich an Situationen zu erinnern, in denen es dir genauso ging und du anderen Gegenüber eine Spur zu heftig reagiert hast. Sage zu dir selbst: „Ich bin auch nicht besser“ und habe Verständnis für kleine Gehässigkeiten – denn die gehören zu uns Menschen hin und wieder nun mal dazu 😉

Das waren meine Tipps, die dir dabei helfen sollen, deine Rachegelüste in Zukunft in den Griff zu bekommen. Und dir das Verzeihen erleichtern. Denk immer daran:

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Ich bin total neugierig, wie es bei dir aussieht: Was waren Situationen, in denen du dich ungerecht behandelt gefühlt hast und den Drang hattest, es einer anderen Person so richtig heimzuzahlen? Und noch gespannter bin ich natürlich darauf, welche meiner Ratschläge bei dir am besten funktionieren. Hinterlasse mir dazu doch einen Kommentar.

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Quellen:

Mario Gollwitzer What gives victims satisfaction when they seek revenge? In: European Journal of Social Psychology, 2011, Vol. 41, 364–374

Kevin M. Carlsmith The paradoxical consequences of revenge In: Journal of Personality and Social Psychology, 2008, Vol. 95, 1316– 1324